Montag, 16. Mai 2005

Im Blickpunkt: Wohnen in der DDR

Im Blickwinkel: Wohnen in der DDR Prora. Staunende Blicke begleiten seit Pfingsten eine Entdeckungsreise in die „Wohnkultur der DDR“. Für viele der Besucher des neu eröffneten Café Blickwinkels ist die neue Ausstellung in der Museumsmeile Prora jedoch auch ein Ausflug in eine ihnen bekannte Welt, bewegen sie sich doch vielfach zurück in die eigenen vier Wände: In drei Wohnzimmern, zwei Küchen und einem Schlafzimmer wird auf originalem Grundriss gezeigt, was zwischen 1945 und dem Mauerbau zur „Alltagskultur im Osten“ zählte. „Den haben wir ja noch auf dem Boden liegen.“ meint denn auch Frau Wagner beim Anblick eines alten Stuhls. Ihr Mann nickt bedächtig und prüft mit einer leichten Handbewegung ob der Bestaunte in einer endlosen Reihe an DDR-Exemplaren auch kippelt. Enkel Jasper wundert sich derweil über seinen Vater. Der steht begeistert im Wohnzimmer und weist auf einen skurrilen Brezelhalter aus volkseigener Produktion. Was auch ihm bisher unbekannt war: Bei der im Mittelpunkt der Ausstellung stehenden „wachsenden Wohnung“ handelte es sich nach dem Kriege um ergänzungsfähige Typenmöbel. Die wurden vom Gestalter Bruno Paul bereits in den 30er Jahren entwickelt und nach dem Krieg in den Deutschen Werkstätten Hellerau produziert. Dies unterlag jedoch starken Wandlungen. Einerseits änderten sich die Ansprüche mit dem industriellen Wiederaufbau elementar, andererseits wurden im Zuge der „sozialistischen Umgestaltung“ 17.000 private Möbelhersteller verstaatlicht und zu 172 volkseigenen Möbelwerken zusammengefasst. Versorgungsmängel, Wohnungsknappheit und Vergabekriterien bestimmten parallel dazu den Alltag des „gelernten DDR-Bürgers“. „Man hatte damals ganz andere Probleme als heute.“ quittiert Frau Wagner das Gesehene. Noch in diesem Jahr soll die Rückschau ergänzt werden: „Zaunwelten“ ist das neue Thema der bereits vorbereiteten Dokumentation im Café Blickwinkel.

(PA-Meldung v. 16.05.2005)