Sonntag, 26. März 2006

Verspargelung der Ostsee geplant

Katastrophenalarm: Der Bürger muß zahlen Bundesamt genehmigt zweiten Offshore-Windpark vor Rügen
Hamburg / Rügen. Das Bundesamt für Schiffahrt und Hydrologie (BSH) hat der Arkona-Windpark-Entwicklungs GmbH (AWE), einer Tochter des Stromriesen e.on, die Genehmigung zum Bau von 80 Offshore-Windkraftanlagen und einer Plattform zur Beobachtung vor Rügen erteilt. Der Standort ist etwa 35 km nordöstlich von der Insel und befindet sich damit im Seegebiet „Westlich Aldergrund“. Dieses wurde Ende 2005 für die Windenergienutzung als besonders geeignet erklärt. Vorausgegangen waren der Entscheidung zwei Ablehnungen für Projekte östlich von Rügen und eine Genehmigung zur Errichtung des Windparks „Kriegers Flak“ mit 80 Anlagen nordwestlich von Rügen.
Hintergrund der jüngste Entwicklung sind Veränderungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Darin wurden die Stromnetzbetreiber zur Abnahme alternativen Stroms verpflichtet. Nach dem wachsenden Widerstand gegen eine „Verpargelung“ der Landschaft wurde festgelegt, dass zukünftig eine Vergütung in Abhängigkeit von der Wirksamkeit der Anlagen erfolgt. Dadurch rückten jedoch auch Wasserflächen in das Interesse der Beplanung. Die Windkraft ist hier mit 8.000 Stunden etwa doppelt solange nutzbar wie auf dem Lande. Die Vergütung steigt dabei nach dem EEG mit steigender Entfernung von der Küste und zunehmender Wassertiefe. Allerdings werden die Kosten mit 2.000 Euro / Kilowatt installierter Leistung auch doppelt so hoch sein. Nachdem die Banken und Versicherungen die Anlagen als zu risikoreich einstuften, gründete sich die „Stiftung der deutschen Wirtschaft für die Nutzung und Erforschung der Windenergie auf See“. Mit dabei: Küstenländer, wie Mecklenburg-Vorpommern, Stromkonzerne, Hersteller, Banken und Versicherungen. 2005 erhielten sie vom grünen Umweltministers Jürgen Trettin 5 Mio. Euro damit der Probebetrieb von Prototypen mit Rotordurchmessern von etwa 130 m (!) starten kann.
Doch als problematisch gilt nicht nur die Verankerung in großen Wassertiefen (20-35m), sondern auch die Korrosionsanfälligkeit in Folge der salzhaltigen Seeluft und die Wartung. Kompliziert ist auch die Einspeisung, da man vor Ort vielfach nicht in der Lage ist die steigenden Strommengen abzunehmen. Transportverluste und Umwandlungen in Hochspannungsgleichstrom könnten zusätzlich die Kosten in die Höhe treiben.
Fazit: Auch wenn sich die Umweltverbände für den Ausbau erneuerbarer Energien aussprechen, ist die Umweltverträglichkeit von Windparks zweifelhaft. Sie haben eine Barrierewirkung für Millionen von Zugvögel und für den Schiffsverkehr. Die Schallemissionen während der Bauphase und Wartungen vernachlässigend, hinterlassen auch die Kabeltrassen als elektromagnetische Felder Auswirkungen für die Fischströme. Daran ändert auch die Tatsache der begleitenden Untersuchungen nichts, denn der TÜV wird ja auch nicht erst während der Fahrt im Straßenverkehr erteilt. Und während man den Wassersport auf Rügen einschränkt, kauft man sich als Stromkonzern mit Investitionen ein. Diese entfremden als neue Sperrzonen auf der anderen Seite die Heimat. Angesichts der Pläne bis 2030 etwa 5.000 Anlagen mit 5MW Leistung auf einer Fläche von 2.500 qkm See (!) zu errichten, kann man jetzt schon Heimweh haben.
("Pommersche Zeitung")