Sonntag, 14. Mai 2006

Preußens Glanz & Gloria

Preußens Glanz & Gloria
-->Preußens Glanz & Gloria
Unendliche Geschichte der Preußen- säulen geht weiter
Rügen. „Große Männer – große Denkmale“ dachte sich wohl auch Preußens König Friedrich Wilhelm IV., als er zwischen 1854 und 1855 zwei etwa 15 Meter hohe Siegessäulen für 6.815 Reichstaler auf Südrügen errichten ließ.
Auf der erst 1815 zu Preußen gekommenen Insel wollte er so an die erfolgreichen Seelandungen seiner Vorfahren, des „Großen Kurfürsten“ und Friedrich Wilhelm I., erinnern. Die schlugen im Verbund mit den Dänen 1678 und 1715 kurzweilig die Schweden in die Flucht.
Doch die vom Berliner Bildhauer Wilhelm Ludwig Stürmer entworfenen Denkmale der preußischen Monarchen, welche unter der Leitung des Architekten August Friedrich Stüler in Neukamp und Groß Stresow errichtet wurden, sorgen seit über fünfzehn Jahren für regelmäßige Schlagzeilen in der lokalen Presse.
Begonnen hatte alles noch relativ unspektakulär im Jahre 1988. Damals untersuchten Experten vom VEB Denkmalschutz Dresden die beiden Denkmale und zogen zunächst deren Standsicherheit in Zweifel. Nach 1989 änderten sich auch die Eigentumsverhältnisse an den Säulen. Der neue Eigentümer, der Landkreis Rügen, löste dann 1991 einen Auftrag zum Abbau beider Denkmale aus. Das sorgte unter der Bevölkerung für Unverständnis, denn neben den Preußensäulen waren bereits weitere Denkmale aus dem benachbarten Putbus abgeholt worden. So formierte sich eine Bürgerinitiative und forderte deren Rückführung ein. Mit Erfolg, denn alle Putbusser Denkmale sind heute an ihren angestammten Plätzen oder in der Orangerie zu sehen. Auch die Preußensäulen kehrten zurück. Allerdings ist deren Zustand bis heute nicht besser geworden und die Anfertigung von Kopien und deren Wiedererrichtung in weite Ferne gerückt. Dafür waren ursprünglich 1,2 Millionen DM veranschlagt worden. Die können jedoch vom hoch verschuldeten Landkreis Rügen bis heute nicht aufgebracht werden. Und die Fördermittelanträge scheiterten bisher am fehlenden Gesamtkonzept für die Denkmale.
Auf einem Symposium wurde nun am letzten Freitag nach Lösungen gesucht. Fazit: In die beiden Fundamente soll jeweils ein Edelstahlrohr eingelassen werden. Die drei glatten Granittrommeln der beiden Säulen aus dem Altbestand sollen durchbohrt werden, um sie danach auf das Rohr zu fädeln. So hatte es zwar auch Steinmetzmeister Carlo Wloch in seiner darüber verfassten Diplomarbeit vorgeschlagen, doch der Vorschlag gilt bei Fachleuten als umstritten. Für die Rüganer bleibt zu hoffen, dass die Geschichte um die Preußensäulen in jedem Falle zu einem guten Abschluß kommt. Den wünscht sich auch der Stresower Martin Hase. Der Mitbegründer der Bürgerinitiative und des Fördervereins hielt in der Vergangenheit den Platz von Friedrich Wilhelm I. sauber und hißte regelmäßig die Preußenflagge in der Hoffnung auf die baldige Wiederkehr von Preußens Glanz und Gloria.
("Pommersche Zeitung")
PA-Tipp: www.preussensaeulen.de