Mittwoch, 12. September 2007

Auf ´s Pferd gekommen...

Ausritt am Strand (Foto: Steffen Waak)
Ein Beitrag von T. Seegert
 
Rappin. (RO) Auf dem Rücken der Pferde können Urlauber und Rüganer die Insel neu für sich entdecken: Alles ist ganz anders. Das ergibt sich nicht nur aus der Perspektive – man sitzt ja auf einem Pferd. Auch der Blickwinkel ist ein anderer. Abseits von den Hauptstraßen erschließt sich ein weit verzweigtes Reit- und Fahrwegenetz.

Vieles hat sich verändert. Während die Großeltern noch mit Pferd und Pflug den Acker bearbeiteten oder zum Tanz mit einer Kutsche in die Kreisstadt Bergen fuhren – ist heute das Auto unser ständiger Begleiter. Die Welt ist schneller geworden. Zufriedener ist sie sicher nicht. Etwas fehlt. Vielleicht das Pferd? Wer sich auf einen der vielen Rügener Reiterhöfe begibt, erkennt schnell, daß es längst wieder auf dem Vormarsch ist. Nicht im Alltag, sondern im Freizeitbereich. Denn heute können sich auch Normalverdiener Reitstunden leisten.
Und so drängen immer mehr Späteinsteiger in die Reitschulen. Der durchschnittliche Anfänger ist oft etwa um die 30, wünscht wenig  Theorie, wenig Kringel reiten und möglichst bald den Ausritt ins Gelände. Die Ursache ist schnell zu erklären: Historien-, Mantel- und Degenfilme zeigen ja ein eher romantisiertes Bild. Und alles sieht so leicht und elegant aus. Was liegt da also näher als aufs Pferd zu steigen und durch die traumschöne Landschaft oder an den Stränden der Insel  Rügen entlang zu galoppieren? Doch so einfach ist es eben nicht. Wer das erste Mal mit Mitte 30 auf ein Pferd steigt, weiß, wovon die Rede ist. Plötzlich sitzt man also in luftiger Höhe, ist nervös – was völlig normal ist – und der gerade eingenommene Sitzplatz beginnt auch noch zu schwanken. Dabei befindet man sich erst im Schritt. Doch keine Angst, jeder der heute Reiten kann, kennt diesen Anfang. Und die Reitlehrer auf Rügen wissen natürlich, dass dieses mulmige Anfangsgefühl letztlich nach wenigen Stunden weicht. Der Spaß am reiten beginnt. Aber die Erkenntnis ist: Ich sitze auf einem lebendigen Wesen. Und: Von diesem kann ich jede Menge lernen...
"Reiten ist Selbstfindung..." (Foto: Steffen Waak)
Während wir uns über Vergangenes zergrübeln, lebt das Pferd, unter uns, in der Gegenwart. Es handelt instinktiv. Das Pferd kennt die Tageszeit – auch ohne Uhr. Das konnten wir Menschen auch einmal, aber der „Fortschritt“ und die Technik haben uns abhängig gemacht und verändert. Also beginnen wir wieder in der Gegenwart. Das heißt die rechtzeitige Wahrnehmung unserer Umwelt und die entsprechende Reaktion, denn unser Pferd erwartet eine klare Führung. Auch etwas, was uns im Alltag wegen fauler Kompromisse verloren gegangen ist. Schon bald wird klar: Reiten ist Selbstfindung. Man erkundet nicht nur die Insel, sondern auch sich selbst. Ich erkenne meine Schwächen und benötige auf dieser  Reise das absolute Vertrauen zu meinem Pferd. Carolyn Resnick, die Autorin von die „Tochter des Mustangs“, drückt das - einfach aber verständlich – so aus: „Wir arbeiten mit dem Pferd so, wie mit einem kleinen Kind: respektvoll, mit Humor und mit Klarheit. Anfangs liegt das Hauptaugenmerk darauf, dass sich eine Bindung entwickelt. Ich entwickle eine Gemeinschaft.“ Denn auch das sollte ich wissen: Pferde sind gesellige Tiere. Ein Grund, warum sie bei einer Einzelhaltung schnell Langeweile und Untugenden entwickeln. Tja, und dann ist da etwas... Also jeder kennt den Film „Der Pferdeflüsterer“. Und auch das gibt es. Das mag unverständlich klingen, aber man sollte sich regelmäßig mit Pferden unterhalten. Das fördert den Kontakt und man wird bereits an der Stimme erkannt.
 
Ausritt bei "Wanderreiten auf Rügen" (Foto: Steffen Waak)
Doch zurück zum Reiten. Was sollte der zukünftige Reitanfänger mitbringen? Neben der zuvor beschriebenen Einsicht für seinen tierischen Freund und Partner  sollte er über ein wenig Balance und Koordination verfügen. Das findet man schnell selbst heraus. Stellen sie sich einfach 20 Sekunden auf ein Bein (Ein-Bein-Stehtest). Wenn es damit noch nicht klappt, bleibt ja immer noch eine Kutschfahrt. Und auch die sind auf Rügen nicht ohne Reiz. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Fahrt um den „Tetzitzer See“ oder am Rügischen Bodden entlang?              
Übrigens, wenn auch ihr Kind einmal reiten möchte, dann gibt es im Alter zwischen vier und acht Jahren die Möglichkeit einer spielerischen Annäherung an das Pferd. Dazu können Schnupper-kurse beitragen, wo der Nachwuchs einen Einblick in die Pflege, Fütterung und den Umgang mit Pferden erhält. So lässt sich auch für die „kleinen Piraten“ und „Draufgänger“ schnell erkennen, daß Pferde kein Spielzeug sind und als eigenständiges Wesen respektiert werden wollen. Interessant: Kinder die von Beginn an auf Pferden Reiten lernen, verfügen über ein besseres Körpergefühl, Sitz und Balance.
Na, sind Sie nun auch schon aufs Pferd gekommen?  Dann schauen Sie doch mal bei einem der Reiterhöfe unserer Insel vorbei. Vielfach können Sie vor Ort auch gleich eine Unterkunft buchen.
 
http://www.inselreport.de/p/rugen-outdoor.html