Dienstag, 25. Dezember 2007

Bügelbäume und Weihnachtsbügel

In Zeiten teurer werdender Weihnachtsbäume ist man ja schon auf so manchen Dreh gekommen. Also, denken wir nur an die Plastebäume aus China... Eine ganz andere Erfahrung konnten wir letztes Jahr sammeln. Eigentlich fing alles ganz unspektakulär an. In einer großen Berliner Buchhandlung suchten wir nach einem Buch, welches uns über die lange Weile einer Zugfahrt nach Rügen bringen sollte. Das uns dabei ausgerechnet der unwillkürliche Griff zur Insel „Hiddensee“ von Renata Seydel brachte, darf als glücklicher Umstand bezeichnet werden. Hier fanden wir eine Abhandlung zum Thema Bügelbaum. Wie? Keine Ahnung was ein Bügelbaum ist? Zugegeben, wir wussten auch sehr wenig darüber. Noch vor Jahrhunderten gehörte aber das Aufstellen eines reich geschmückten und farbenprächtigen Bügelbaums oder eines einfacheren Weihnachtsbügels zu den Bräuchen auf Hiddensee. Die „Dinger“ waren natürlich – mit einer Höhe von etwa 1,20 m - im Ursprung wahnsinnig groß. Also haben wir uns gleich für die Alternative eines Weihnachtsbügels entschieden...

Anleitung zum Nachbau:
Vor einem Bau sollte man wissen, dass man es mit den Vorgaben nicht so genau nehmen sollte. Hauptsache ist immer es gefällt! Also, nicht zu sehr an die Anleitung halten, denn eigentlich ist beim Weihnachtsbügel der eigene Einfallsreichtum gefragt. Und das merkt man schon am Beginn...

Wir empfehlen für die Grundkonstruktion:

1.) 4 x Standbrettchen
2.) 1 x Kreuzfuß
3.) 1 x Zierring
4.) 1 x Stamm
5.) 2 x Bügel
6.) 1 x Spitze


Außerdem benötigen wir etwas Draht, Leim, eine Holzschraube und grüne und goldene Lackfarbe, einen großen und einen kleinen Pinsel, sowie Verdünnung (die letzten Dinge für einen abschließenden dekorativen Anstrich der Grundkonstruktion)



Schritt für Schritt zum Weihnachtsbügel:


Als Erstes haben wir den Kreuzfuß (2) aus einer etwa 30 x30 cm großen Sperrholzplatte ausgesägt. Diese hatte eine Stärke von etwa 10 mm. Den Abfall kann man nutzen um die 4 Standbrettchen (1) herzustellen. Die Abmaße der Brettchen (1) ergeben sich aus der Breite der Kreuzarme und liegen bei etwa 6 x 6 cm. Die Standbrettchen (1) werden anschließend auf den Kreuzfuß (2) aufgeleimt. Den Stamm von etwa 60 cm Länge haben wir mittels einer Schraube am Kreuzfuß befestigt. Die wird einfach von unten durch den Kreuzfuß eingebohrt und ist für den Betrachter später nicht sichtbar. Von oben haben wir einen Zierring über den Stamm gestreift und diesen auf dem Kreuzfuß angeleimt. Das gibt der Form die Eleganz. Genutzt haben wir dazu übrigens handelsübliche Holzringe, wie man sie bei rustikalen Holzgardinenstangen im Zubehör findet. Wenn man alles passend gestalten will, nutzt man auch gleich deren Stange, die auf etwa 60 cm zugeschnitten wird. Dann folgen die Bügel (5). Sie werden in den Stamm bei 11,5 bzw. 12,5 cm und bei 41,5 bzw. 42,5 cm eingelassen. Sie sind aus Weidenruten, die man überall auf der Insel schlagen kann. Wir haben sie mit feinem Draht zusammen gerödelt. Außerdem haben diesen auch zur Befestigung der Bügel (5) am Stamm (4) von etwa 60 cm genutzt. Dadurch brauchten wir den Bügel (5) nicht in Bohrungen einlassen, die den Stamm (4) schwächen und konnten den Stammdurchmesser auf 2 cm verjüngen. Der Vorteil: Nun wirkt der Bügelstamm (4) eleganter und nicht so klobig... Den Abschluss bildet die Spitze (6). Auch diese entnahmen wir dem Zubehör der Holzgarnitur für Gardinen. Wir haben beim Endstück der Stange nur ein wenig die Höhe eingekürzt. So nun steht die Grundkonstruktion. Diese wurde früher mit Seidenpapier in verschiedenen Farben umwickelt. Zwar gibt es noch Seidenpapier, aber einfacher ist es alles komplett mit grüner Lackfarbe zu streichen und anschließend mit goldener Lackfarbe freie Zierstriche zu ziehen oder die Farbe zu tupfen. Für die Bügel haben wir die Idee gehabt, dünne handelsübliche Weihnachtsgirlanden herumzuwickeln. Die darin noch verwendeten goldenen Sternchen geben dem Weihnachtsbügel ein wunderbaren Glanz. Befestigen kann man die Girlanden mit roten Stoffschleifen und unserem feinen dünnen Draht. Aus dem roten Schleifenband entstand übrigens auch unsere Fahne, die an der Spitze „weht“. Früher war sie auch oft in goldener Farbe, aber unsere Versuche mit Goldfolie waren nicht von erfolg. Die klassischen vier Äpfel über dem Fuß, die ja auch Fruchtbarkeit symbolisieren, haben wir gegen vier rote Kugeln ausgetauscht. So, nun ist ja das wichtigste noch nicht besprochen worden: Die essbare Dekoration. Früher hat man ja Mandeln, Pfeffernüsse oder Backpflaumen auf Drähte oder Fäden aufgereiht, die dann in Reihen den Bügel schmückten. Wir haben uns aber für Pfeffernüsse auf einem Zwirn entschieden. Aber auch hier lauern Tücken. Nehmen konnten wir nur die braunen „Stralsunder Pfeffernüsse“ aus der Putbusser Bäckerei Marschall. Die nach alten Rezepturen unter dem Label „Pommerland“ gefertigten Backwaren waren als einzige mit einer Nadel und Zwirn zu durchstechen. Die anderen Pfeffernüsse sind uns leider alle gebrochen...

Soweit zu unserer weihnachtlichen Entdeckung. Vielleicht hat die Beschreibung ja doch etwas Begeisterung geweckt auf ein anderes Weihnachten? Wir haben unseren Bügelbaum übrigens verschenkt und hoffen, dass er noch manches Fest erleben darf.


"Wieviel Zeit, Liebe und innere Freude steckte in so einem Bügelbaum. Mit nur einfachen Mitteln wurde etwas so schönes geschaffen um Freude zu machen."

Marianne Schmidt