Sonntag, 2. März 2008

„Die Gustloff“

Wer kennt nicht die Serien „Ein Bayer auf Rügen“ oder „Hallo Robbie“? Weitgehend unbekannt ist, dass auf den Inseln Rügen und Hiddensee, sowie in der Hansestadt Stralsund seit fast 100 Jahren Filme gedreht wurden. „á la carte“ stellt diesmal eine aktuelle Filmproduktion vor.
Viele Szenen des ZDF-Zweiteilers zum Untergang der „Wilhelm Gustloff“ wurden im letzten Jahr im Stralsunder Hafen gedreht und werden nun im Fernsehen gesendet.
Mehr als sechzig Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs hat das Fernsehen ein Thema entdeckt, dass trotz Walter Kempowski und Günther Grass, lange kein Thema war: Der Untergang der „Wilhelm Gustloff“. Bis heute gilt die Katastrophe vor der pommerschen Küste als Größte der Geschichte der Seeschifffahrt. Mehr als 9.000 Menschen sollen am 30. Januar 1945 den Tod in den eisigen Fluten der Ostsee gefunden haben. Vilsmaier, Regisseur des ZDF-Zweiteilers: „Die größte Herausforderung war, dem Stoff gerechtet zu werden.“ Und der hatte es in sich, meint Vilsmaier. „Die Geschichte der „Gustloff“ kannte ich schon aus dem Film „Nacht fiel über Gotenhafen“ (von 1959 – Anm. d. Red.). Es gab Vermutungen, aber niemand wollte in den 50er Jahren wirklich wissen, was genau passiert ist.“ Eine Frage beschäftigt ihn bis aber heute: Warum wurde die „Gustloff“ überhaupt torpediert? Drehort: Stralsund. Etwa hundert Statisten werden bei Kunstschnee und ein paar Grad über null in Szene gesetzt. Die Kulisse: Eine sechzig Meter lange, graue Schiffswand, die auf Pontons schwimmend am Kai vertäut ist. Kein Zweifel, um den Film so realistisch wie möglich werden zu lassen, wird kein Aufwand gescheut. Die Produktion kostet über zehn Millionen Euro. Das Ziel: Die Endkriegssituation auf dem Schiff darzustellen.
Alles beginnt drei Tage vor dem Auslaufen der „Gustloff“. Tausende Flüchtlinge drängen sich am Kai von Gotenhafen. Ihre Hoffnung: Ein Schiff über die Ostsee um der heranrückenden Front zu entkommen. Unter ihnen ist auch Lilli Simoneit, gespielt von Dana Várova. Ihre Tochter hat sie bereits auf der Flucht verloren. Nun droht auch noch ihr Sohn Kalli zum Volkssturm eingezogen zu werden. Daneben trifft Kai Wiesinger in der Rolle des Fahrkapitäns Hellmut Kehding seine große Liebe: Valerie Niehaus als Erika Galetschky. Sie ist als Marinahelferin in der Flüchtlingsaufnahme tätig. Für Kehding steht fest, dass er sie auf das vermeintlich rettende Schiff mitnehmen will – doch ihr Cousin Hagen Koch, der Funker der „Wilhelm Gustloff“, ist dagegen. Kehding kommt ohnehin in Entscheidungsnot. Während er den Auftrag hat, so viel wie möglich Flüchtlinge aus Gotenhafen zu bringen, drängt der militärische Transportleiter der Fahrt, Kovettenkapitän Petri, auf ein vorzeitiges Auslaufen. Sein Ziel ist es seine U-Boot-Männer möglichst schnell mit dem Schiff nach Kiel zu bringen. Zu Kehdings Überraschung geht auch sein Bruder Harald – Heiner Lauterbach spielt einen undurchsichtigen ehemaligen U-Boot-Kapitän, der für die Sabotageabwehr arbeitet - in Gotenhafen an Bord. Beide sind seit Jahren zerstritten. Während die Vorbereitungen zum Auslaufen auf Hochtouren laufen, drängen immer mehr Flüchtlinge an Bord – unter ihnen auch Lilli Simoneit und ihr Sohn Kalli. Die Spannung steigert sich, als nach dem Ablegen der „Wilhelm Gustloff“ am 30. Januar 1945 um 12.00 Uhr ein dubios verschlüsselter Funkspruch eingeht. Kehding stoppt die Fahrt. Sein Bruder Harald befürchtet einen Anschlag und lässt das Schiff nach Saboteuren und Sprengsätzen durchsuchen. Erika, die sich auch an Bord befindet, gerät in den Verdacht sich illegal von der Gruppe entfernt zu haben.
Um 21.15 Uhr detonieren drei Torpedos des sowjetische U-Boot „S-13“ an der Bordwand der „Wilhelm Gustloff“. Das Schiff sinkt....
„Die Gustloff - Hafen der Hoffnung“ und „Die Gustloff – Flucht über die Ostsee“ werden am 2. und 3. März 2008 um 20.15 Uhr im ZDF gezeigt. „Mit einer Dokumentation, und sei sie auch noch so fesselnd, erreiche ich nicht so viele Zuschauer, wie wenn Menschen, sprich Schauspieler, darstellen, was passiert ist und einen mitleiden lassen und mitziehen.“ meint Joseph Vilsmaier, denn Filme wie „Die Gustloff“ müsse man einfach machen, um sie der nächsten Generation zu hinterlassen.

(„á la carte“ 3-5/2008)