Sonntag, 2. Dezember 2007

Eine Rüganerin in Südschweden

Sassnitz. (SAS) Sie ist in Sassnitz zur Schule gegangen und lebt heute in Schweden. Fragen an eine Rüganerin...
Wie kommt man als Rüganerin nach Schweden? 
Evelyn Lange: Über einen Umweg. Heutzutage ist das natürlich einfach. Man nimmt die Fähre von Sassnitz nach Trelleborg. Aber so war es ja nicht immer. Als kleines Mädchen habe ich oft aus dem Wohnzimmerfenster den Fähren hinterher gesehen. Und ich dachte mir, eigentlich ist Sassnitz das Ende der Welt - was ja damals auch sehr naheliegend war, weil dort alles endete. Aber dann dachte ich mir, da muß ja noch was sein, wo die Fähre hinfährt... Und als es uns dann später möglich wurde, dachte ich: Da schau ich da mal nach, wie es dort so ist.

Wie gefällt es Ihnen in Schweden und was ist anders als in Deutschland?Evelyn Lange: Nun, nachdem ich schon zehn Jahre hier bin, muss man sagen, dass ich mich hier sehr zu Hause fühle. Meinen Kindern geht es genauso. Aber man muss auch sehen, dass ich damals von Berlin nach Schweden zog. Wir hatten Sehnsucht nach Natur, Ruhe und einer kinderfreundlichen Umgebung. Gerne wären wir auch nach Rügen zurück gegangen, aber das ergab sich nicht. Da war Schweden eine sehr interessante Alternative. - Was ist anders? Eigentlich ist es nicht sehr viel anders als in anderen Ländern, aber es muss immer auch die eigene Einstellung, der eigene Hintergrund, die Geschichte und die Identität dazu passen. Natürlich ist Schweden kein Schlaraffenland, und es ist auch keine Astrid-Lindgren-Idylle... Es ist eben ein ganz normales Land mit seinen kleinen und großen Problemen und Menschen die versuchen, diese zu lösen. Was mir auch wichtig ist: Die Gleichberechtigung von Mann und Frau.

Stimmen die Vorurteile die man von Schweden hat oder anders: Fahren Sie einen Volvo, haben Sie ein eigenes Haus und IKEA-Möbel?

Evelyn Lange:
Ich fahre kein Volvo, ich habe aber sehr lange Saab gefahren. Ich habe ein eigenes Haus, ja. Und ich habe auch IKEA-Möbel. Doch die gibt es ja inzwischen weltweit zu kaufen. Bei uns heißt das Klischee übrigens: Volvo, Villa, Vovve (Hund) weil man in den kleinen Orten noch sehr traditionell wohnt, aber man hat auch einen hohen Einwanderungsanteil, der sich in der Lebensweise bemerkbar macht und auch Veränderungen für Schweden mit sich bringt.

Als was arbeiten Sie in Schweden? Und was stellt Ihre Firma her?

Evelyn Lange:
Im deutschen würde man es als Handelsvertreter bezeichnen. Auf schwedisch sagt man ganz einfach Verkäufer. Vorrangig vertreibe ich Edelstahlküchen, die in Schweden ein traditionelles Produkt sind. Sie werden in einem mittelständisches Unternehmen aus Smaland hergestellt. Ich besuche einerseits unsere Kunden und andererseits arbeite ich an der Entwicklung neuer Produkte und organisiere das gesamte Marketing. Dass macht auch deshalb Spaß, weil die Küche der Lebensmittelpunkt der Schweden ist. Ich habe also eine fantastische Arbeit.

Ist Rügen ein Interessantes Urlaubsziel für Schweden?

Evelyn Lange:
Ja, auf jeden Fall. Meine Kunden erzählen mir oft: „Auf Rügen waren wir schon gewesen.“ Oder ich erhalte auch Anrufe: „Du, wir waren auf Rügen gewesen und das war ja wirklich schön.“ Also immer nur Positives. Die Schweden entdecken wirklich Rügen. Und das merkt man auch daran, das mehr und mehr Anzeigen in den Tages- und Wochenzeitungen stehen, wo direkt geworben wird. Kurzurlaub in Stralsund oder in Bergen. Ich glaube, dass bald viele Schweden zum Urlaub mit Einkauf nach Rügen fahren werden.

Und warum sollten Deutsche unbedingt auch Südschweden besuchen?

Evelyn Lange:
Ich glaube, aus dem gleichen Grund. Es ist die Nähe. Das macht alles so einfach rüber zu kommen, um sich das anzuschauen. Sicherlich gibt es auch Unterschiede – aber darin liegt ja der Reiz. Man will ja mal was anderes sehn, wenn man verreist. Was Schweden aber für Deutsche interessant macht, ist die Kinderfreundlichkeit. Es ist immer wieder faszinierend. Und man hat hier Sommer wie Winter die Natur in ihren unterschiedlichsten Formen. Heute morgen habe ich beispielsweise gehört, dass auf dem Isaberg schon über vierzig Zentimeter Schnee liegen. Das ist nur 20 Minuten von mir entfernt und diese Saison will ich endlich Abfahrtsski lernen. Übrigens, noch ein Tipp für Kurzurlauber: Hier legt man viel Wert auf gutes, traditionelles Essen und heimische Zutaten...
Danke für das Interview.

(„á la carte“ 12/2007)

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