Donnerstag, 1. Juni 2000

Klaus Maria Brandauer in Vorpommern


Herr Brandauer, warum sind Sie heute in Stralsund? Ist es nur wegen der Lesung zu ihrem neuen Buch „Bleiben tu´ich mir nicht“ oder verbindet Sie mehr mit diesem Besuch?
Brandauer: Nein, ich bin gestern nacht, spät nacht angekommen, und habe heute mit Kindern und Schülern gesprochen, vom Gymnasium und mit der Presse und hier bin ich, weil das eine Idee war von meinem Freund und Mitarbeiter Herrn Sengebusch. Der ist in der Gegend geboren und kennt das alles sehr gut und er hat das vermittelt. Ich war nie in der gegend... ich war noch nie in Stralsundund auch nicht auf rügen, das heißt: Rügen kann ich heute auch nicht machen, weil ich gleich in der Nacht wieder weg muß... zum Flughafen und dann morgen nach Frankfurt.
Und wie gefällt Ihnen Stralsund und Vorpommern?
Brandaurer: Mir gefällt es sehr gut, weil ich´s mir schon ausgemalt habe, daß es sehr schön ist und ich habe viele Berichte gelesen, wie schön es ist und es ist tatsächlich so schön.
Was machen Sie am liebsten? Regie führen oder bei Dreharbeiten mitwirken?
Brandauer: Na, das was ich mache, mache ich gerne – erstens – und das heißt, wenn es schon eine Möglichkeit gibt in meiner Tätigkeit verschiedene Dinge zu machen, dann ist es doch gerade zu schön, sagen wir mal übermorgen Cyrano am Burgtheater zu spielen und heute hier zu sein, eine Lesung zu machen und dann eine konsultante Aufführung von Peer Gynt und dann Regie zu führen und dann einen Film zu drehen, bei Filmen Regie führen, Regie am Theater zu führen - das alles mache ich gern und alles ist miteinander verwandt und trotzdem total verschieden.
Und wie fühlt man sich, wenn man einen Oscar in den Händen hält?
Brandauer: Naja, wir haben ihn ja zusammen in den Händen gehalten, mein Freund Iztvan Zabo und ich. Und wir haben dann auch ein bisschen getanzt, weil wir aus dem kleinen Europa kamen. Und da haben wir uns sehr, sehr gefreut, weil wir einfach wussten, daß das eine sehr schöne Auszeichnung ist, aber man darf das auch nicht überbewerten. Schauen Sie: Die Leute, die zum Beispiel im Sport sind... Sagen wir mal ein Hundertmeter-Läufer. Der kann wirklich sagen, dass er der Beste ist, wenn er im Hundertmeter-Lauf der Schnellste ist... Weil da gibt es eine Uhr – falls die Uhr richtig läuft, das kann man sagen...
Bei uns soll man Preise nehmen, wenn man sie kriegt, das ist fein und ... ...aber deshalb braucht man nicht besonders hochnäsig zu werden – es ist ganz schön, man ist im Spiel mit Preisen.
Vielen Dank für das Interview, Herr Brandauer.

(Das Interview mit Klaus Maria Brandauer führte Katharina Berndt - Vize-Miss-Germany 2002 - aus Greifswald)

(„Pommersche Zeitung 06/2000)