Dienstag, 9. September 2008

„Das Mädchen von Fanö“

Filmszene (9): Wer kennt nicht die Serien „Ein Bayer auf Rügen“ oder „Hallo Robbie“? Seit fast 100 Jahren werden nun schon Filme auf den Inseln Rügen und Hiddensee, sowie in der Hansestadt Stralsund gedreht. „á la carte“ stellt diesen Monat einen ungewöhnlichen Filmstreifen vor.
1940. Günther Weisenborn, der Autor des Romans „Das Mädchen von Fanö“, hat bereits seit sieben Jahren Berufsverbot, als sich eine Filmcrew auf den Weg nach Hiddensee macht. Hier soll sie entstehen, die unspektakuläre Literaturverfilmung nach seinem Roman von 1935. Den Inhalt dazu könnte das Leben geschrieben haben: Zwei junge dänische Fischer, Frerk und Ipke, verlieben sich auf Anhieb in das gleiche Mädchen. Doch die junge Arzt-Sprechstundenhilfe Patricia hat nur noch Augen für Ipke. Als sie jedoch erfährt, dass dieser schon mit Agnes verheiratet ist, wendet sie sich enttäuscht dem ausgeglichenen - aber ungelenken - Frerk zu. Dann verunglückt Ipke plötzlich. Patricia fährt - gegen den Willen von Frerk - zu ihm, um ihn zu pflegen. Erst im Haus von Ipke bemerkt sie, dass Ipke gerade Vater geworden ist. Ipkes Annäherungsversuche weist sie deshalb zurück. Doch dieser fordert Frerk trotzdem auf, Patricia freizugeben. Nach altem Seemannsbrauch soll dies auf offener See ausgefochten werden. Da kommt ein Schiff vor der Insel Fanö in Seenot... Am Ende bleibt für Brigitte Horney - als Patricia - nur die Rolle einer resignierten Geliebten, die ihren Anspruch auf Ipke - gespielt von Joachim Gottschalk - ungern aufgibt. Für Frerk, aufrichtig von Gustav Knuth dargestellt, kann sie aber nicht mehr als eine Freundin sein...
Wer hinter die Kulissen dieses Films schaut, dürfte überrascht sein: Neben der Verfilmung eines Romans, dessen Autor mit einem Berufsverbot belegt ist, wirkt mit Brigitte Horney eine Schauspielerin am Set, die noch 1936 mehrere Filme in London gedreht hat. Dem Klischee ihrer Zeit entspricht sie nicht: Ihre Rolle spielt sie melancholisch und schlicht. Und auch Joachim Gottschalk, der den Ipke spielt, hat Probleme. Von Goebbels unter Druck gesetzt, weil er sich von seiner jüdische Frau einfach nicht trennen will, begeht er 1941 Selbstmord. Viktoria von Ballasko, sie stellt Ipkes Frau Agnes dar, wirkt dagegen 1945 noch im letzten Propagandafilm „Das Leben geht weiter“ mit. Mit Paul Wegner als Ulerk Ohm steht sogar ein Urgestein vor der Kamera. Bekanntheit erlangte er im Filmstreifen „Der Golem, wie er in die Welt kam“. Am 24. Januar kam „Das Mädchen von Fanö“ in die Kinos. Am 5. Januar 1959 hatte er im Deutschen Fernsehfunk seine TV-Premiere.