Donnerstag, 2. Oktober 2008

Das fürstliche Schauspielhaus

Das Schloß auf dem Tempelberg
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Putbus 1821. Direkt am Markt – an der alten Landstrasse von Stralsund nach Mönchgut – wird nach zwei Jahren Bauzeit ein fürstlichen Schauspielhaus seiner Bestimmung übergeben. Bespielt wurde es bereits im letzten Jahr. Mit dem romantischen Schauspiel „Das Leben ein Traum oder: Das Horoskop“ läutete man unter Direktor Krampe ein neues Kapitel in der Unterhaltung der Badegäste des ersten Seebades auf der Insel Rügen ein. Fast vergessen: Die mühevollen Anfänge, wo man noch im Wagenschauer des Marstalls oder im „Logierhaus“ vis-a-vis spielte. Damals gewann ein Theaterbesessener Jugendfreund Wilhelm Malte zu Putbus – Karl Friedrich Graf von Hahn - die ersten Theatergruppen für einen Auftritt in der Provinz. Der Sohn eines der reichsten Mecklenburger Großgrundbesitzer hatte allerdings eine derartige Besessenheit entwickelt, dass er in nur drei Jahren fast das gesamte Vermögen der Familie opferte. Auch wenn sich bei den Adligen die Putbus zu diesem Zeitpunkt besuchten, kein annäherndes Verhältnis zur Kunst einstellen mochte, so empfanden sie es doch in den Sommermonaten als willkommene Abwechslung.
Das Schauspielhaus erschloss sich zu diesem Zeitpunkt von der Allee aus. Über die Eingangstüren - hinter den prägenden Säulen - erreichte man den Innenraum, der etwa die Hälfte des Gebäudes einnahm. Im Parkett befanden sich mit rotem Stoff bezogene Bänke, die allerdings eine Lehne vermissen ließen. Darüber kragte hufeisenförmig der 1. Rang balkonartig aus, während der 2. Rang sich über den Fluren bildete. Immerhin bot sich so im von Öllampen beleuchteten Zuschauerraum ein Platzangebot für 500 schaulustige Besucher.
Doch das aus Backsteinen errichtete zweigeschossige Gebäude gibt schon bald Anlass zur Sorge: Denn schon bald bröckelt der Putz von den Wänden und Untersuchungen bestätigen: Das Schauspielhaus hat Schwamm! So kommt es bereits ab 1826 zu den ersten Sanierungs- und Umbauarbeiten am Schauspielhaus. Äußerlich sichtbar werden die Veränderungen im Laufe der folgenden Jahre bei der Dachform: Aus dem Walmdach wird ein Satteldach und an die Stelle einer Attika wird über den viersäuligen Portikus ein Dreiecksgiebel gesetzt.
Ein Blick auf den Stuckfries im Obergeschoss der Alleeseite täuscht allerdings. Denn so sorglos wie Apoll und die Musen wirken, sind die Zeiten nicht. Mal sind es Schulden, die beispielsweise Theaterunternehmer Müller dazu veranlassen Putbus noch während der Spielzeit 1824 den Rücken zu kehren, mal sind es politische Unruhen, die 1848 das Haus unbespielt lassen. 1864 legt Theaterdirektor Müller plötzlich die Direktion nieder, ohne die eingegangen Verbindlichkeiten zu erfüllen und begünstigt so, dass in der Folge 1867 sogar darüber nachgedacht wird, das Schauspielhaus in eine Kirche umzubauen. Auch wenn die Bekanntgabe bereits 14 tage später wiederrufen wird, so kommt 1882 – nachdem das Gebäude erneut ohne Bespielung ist – wieder der Gedanke zum Umbau auf. Letztlich erhalten nur die hohen Umbaukosten Rügens einziges Theater.
Der Erhalt ist aber letztlich immer noch von dem erfolgreichen Zusammenspiel zwischen fürstlicher Kanzlei, Bürgerschaft und Schauspieldirektion abhängig: Dies zeigt sich 1913. Bedingt durch baupolizeiliche Auflagen kommt es zu weiteren Umbaumaßnahmen. Diese betreffen die Neugestaltung des Bühnenhauses ebenso wie Veränderungen im Zuschauerraum.
Die nun zur Verfügung stehenden 600 Plätze werden allerdings auch in den Folgejahren leer bleiben. Aufgrund einer Mitteilung der Fürstin zu Putbus vom 2. August 1914, wird das Schauspielhaus in Folge des ausgebrochenen ersten Weltkriegs geschlossen und wird es bis 1920 bleiben.
In der Nachkriegszeit wird der Betrieb des Schauspielhaus ab 1923 unter der Direktion von Alfred Schlömer wieder aufgenommen. Zwar haben sich die gesellschaftlichen Verhältnisse unter denen der Betrieb fortgesetzt wird, umfassend gewandelt – aber: Die fürstliche Kanzlei hält am geschlossenen Pachtvertrag bis 1936 fest. 1937 wird das Schauspielhaus Putbus durch den Präsidenten der Reichstheaterkammer, Ministerialrat Laubinger, dem Stadttheater Greifswald zugeordnet.
("á la carte" 10 / 2008)