Donnerstag, 2. Oktober 2008

Reifende Jugend

Filmszene (9): Wer kennt nicht die Serien „Ein Bayer auf Rügen“ oder „Hallo Robbie“? Seit fast 100 Jahren werden nun schon Filme auf den Inseln Rügen und Hiddensee, sowie in der Hansestadt Stralsund gedreht. Wir stellen diesen Monat eine regionale Literaturverfilmung vor.
Heute kaum vorstellbar: Ein bekannter Autor lässt sich im kleinen Ostseebad Göhren als freier Schriftsteller nieder. Seine Bühnenstücke sind so populär, dass sein Werk „Die Siebzehnjährigen“ in einer Zeitspanne von nur 15 Jahren dreimal verfilmt wird. Die Rede ist von Max Dreyer. Nach der Vorlage seines Bühnenstücks „Die Reifeprüfung“ finden 1933 die Außenaufnahmen für den Film „Reifende Jugend“ am Strelasund statt. Kulisse ist das Gymnasium im ehemaligen Dominikanerkloster St. Katharinen und die Altstadt: Drei junge Mädchen entschließen sich am Gymnasium der Hansestadt Stralsund die Reifeprüfung abzulegen. Obgleich Schuldirektor Brodersen – gespielt vom berühmten Heinrich George, der auch „Käpt´n“ genannt wird – nur Männern die höhere Bildung zugesteht, lässt er die drei Mädchen an seiner Schule zu. Doch dies führt auch zu einigen Verwirrungen. Denn Knud ist heimlich in seine Mitschülerin Elfriede verliebt. Die wiederum schwärmt für ihren Lehrer Dr. Kerner. Er scheut sich allerdings ein Verhältnis mit einer Schülerin einzugehen. Und als während der Reifeprüfung bei Dr. Kerner dann auch noch Knud die Nerven durchgehen, darf man um Knud seine Zukunft bangen. Doch Brodersen reagiert - in Kenntnis der heimlichen Liebe von Knud - zurückhaltend. Knud erlangt die Reife und auch Elfriede besteht ihre Prüfung, so dass sie eine offizielle Verbindung zu Dr. Kerner eingehen kann. Zu dem am 22. September 1933 in die deutschen Kinos gekommenen Film, gibt es auch eine schöne Anekdote über die Dreharbeiten: Bevor es zu Filmaufnahmen auf den Greifswalder Bodden hinaus ging, nahmen der gut genährte Heinrich George, sowie Hertha Thiele und Sabine Peters auf der offenen Veranda eines Hotels am Stralsunder Markt ihr Frühstück ein. Um die Film-Stars „von janz dicht bi“ zu sehen, kletterten ein Junge und ein Mädchen auf die Balustrade. Das Mädchen wies auf die Schauspielerinnen und meinte zu ihrem Schulkameraden: „Do kiek mol, de hebbe se angemolt!“ Worauf der kleine Junge auf Heinrich George zeigte und meinte: „Und den, den haben sie ausgestopft!“
Übrigens: Obgleich, der Filmstreifen „Reifende Jugend“ auch in den USA erfolgreich lief, wurde er nach dem zweiten Weltkrieg zunächst von den Alliierten untersagt. Erst mit der Gründung der Bundesrepublik änderte sich dies. 1955 wurde der Stoff noch einmal von Ulrich Erfurth aufgegriffen.
("á la carte" 10 / 2008)