Donnerstag, 2. April 2009

Schinkel auf Rügen

Schinkel. Wer seinen Namen mit geschlossenen Augen hört, denkt unmittelbar an klassizistische Bauten. Sein reifer aus der Antike entwickelter Stil prägte große Bauaufträge. Und doch wird man dem Schüler von Friedrich Gilly, sowie dessen Vater David Gilly und dem späteren Lehrmeister von Friedrich Hitzig damit wohl kaum gerecht.
Nachdem wir bei unserer „Spur der Steine“ bereits Landbaumeister der Moderne – wie Ulrich Müther, herausragende Architekten - wie Friedrich Hitzig auf Rügen und Max Taut auf Hiddensee - begegneten, schon mehrfach Schinkels Bauten streiften, ist es vielleicht gerade deshalb auch an der Zeit, sich diesem großen Baumeister eingehender zu widmen. Das Besondere: Während viele seiner Werke auf dem Festland im zweiten Weltkrieg zerstört wurden, lassen sich heute auf unserer Insel noch zahlreiche Zeitzeugen und Wirkungen ausmachen.Und so wollen wir Schinkel auf seinen drei Reisen nach Rügen begleiten... Der 1781 in Neuruppin geborene Karl Friedrich Schinkel besuchte 1821 erstmals unser Eiland. Gemeinsam mit seinem ortskundigen Stettiner Schwager Berger bereiste er die damals noch unverbaute Insel. Angetan von der Eigenart Rügens mit seiner noch urwüchsigen Landschaft, Mengen an Hünengräbern, entstehen Malereien wie „Kreidefelsen auf Jasmund“ oder „Blick auf den Rugard bei Bergen“. Schinkel ist begeistert von der entdeckten Einzigartigkeit. Eine private Kurzreise? Sicher nicht. Schließlich trägt die 1806 in Vitt errichtete Kapelle bereits seine Handschrift. Doch vielleicht wird nun endgültig sein Interesse an Rügen geweckt. Das Kunstwerk der Natur trifft sein Gemüt. Und: Neben der Landschaft, die durch das Meer verschönert wird, entsteht auf Südrügen eine Residenz am Meer. Das Thema beschäftigte schon Schinkels Lehrmeister Friedrich Gilly, der seine „Überlegungen und Entwurfsskizzen für die Gründung und den Aufbau einer Residenzanlage am Meer“ einst zu Papier brachte. Viele der nun entstandene Risse und Zeichnungen für die Bauten der neuen Anlage von Putbus tragen die Handschrift von Schinkels Jugendfreund Johann Gottfried Steinmeyer (1780-1851). Anderen Gebäuden des Fürstentums wird heute auch eine Mitwirkung Schinkels attestiert. Stellvertretend seien hier die Ausführungszeichnungen zum Umbau des Schlosses zu Putbus (1827) oder die Entwürfe zur Orangerie Putbus (1824) genannt.
Eine weitere Reise folgt 1834. Diesmal legt Schinkels Diensttagebuch dafür Zeugnis ab. Beschäftigt hat sich der Oberbaudirektor unter anderem mit der Neugestaltung eines Grundstücks im Klosterbereich, auf welchem sich einst das Jagdschloss der Herzöge zu Pommern-Wolgast befand. Seinen Ansinnen der Widmung für ein Landratamtsgebäude wird später in der Planung entsprochen werden. Doch auch die Malerei kommt nicht zu kurz. So entsteht ein „Blick auf den Rugard bei Bergen“ von Sankt Marien betrachtet. Und – wieder lässt sich Schinkels Spur verfolgen - der weitere Aufenthalt in der jungen Residenz am Meer wird sogar in der Besucher- und Fremdenliste des Badeortes Putbus vermerkt.
Bereits im Sommer des darauf folgenden Jahres brach Schinkel zu einer weiteren Reise auf. Diesmal führte ihn sein Weg von Stralsund über Bergen nach Arkona. Hier wurde 1829 ein unterkellerter, dreigeschossiger Leuchtturm mit einem quadratischen Grundriss auf einem starken Granitsockel errichtet. Gekrönt wird der mit Backsteinen im Kreuzverband errichtete Bau von einer Plattform mit einer kreisrunden vollkommen verglasten Laterne. Erste Bauskizzen stammten auch dieses Mal von Schinkel und sollen schon 1825 zu Papier gebracht worden sein. Stubbenkammer ist eine weitere Station seiner Reise. Bis 1819 entstand in dem Buchenwald über den Kreidefelsen ein erstes reguläres Gasthaus im Auftrag der Regierung. Nun allerdings beginnt wieder ein geschäftiges Treiben, denn bis 1838 wird in direkter Nachbarschaft ein zweites Gebäude im Stil der Schweizerhäuser nach Schinkels Plänen entstehen. Anschließend besucht er den Tempelberg in der Granitz. Auch hier gibt es ein ehrgeiziges Bauprojekt: 1836 soll mit der Errichtung eines Jagdschlosses nach den Plänen Steinmeyers begonnen werden. Schinkel wird später zu diesem Bauwerk seinen markanten Entwurf für einen Mittelturm beisteuern. Seine Reise führte anschließend auch wieder nach Putbus. Auch wenn er kritisch bemerkte, dass es für das Prosperieren des Seebades vorteilhafter gewesen wäre, die Stadtanlage direkt am Meer zu errichten, so ließ sich doch positiv ein erheblicher Baufortschritt feststellen. Dabei wirkten die Gebäude auf ihn freundlich und einladend, wenngleich sie teilweise ein architektonische Vielfalt spiegelten, die keineswegs aus einem Guss war...
Vielleicht wären Schinkel noch weitere Reisen nach Rügen vergönnt gewesen, aber Ende der 30er Jahre wurde seine Gesundheit zunehmend geschwächt. Sicher die Folge seines enormen Arbeitspensums. Als Leiter der Oberbaudeputation widmete er sich bereits ab 1830 allen preußischen Bauvorhaben, die die Kosten von 500 Talern überstiegen, um sie in Ökonomie, Funktion und Ästhetik zu optimieren. 1840 erlitt der 1838 zum Oberlandesbaudirektors berufene Schinkel einen Schlaganfall. 1841 verstarb er in Berlin.
Was bleibt? Die klare Formsprache seiner Bauten. Die Kreativität seiner Innenarchitektur. Und die noch nicht vollständig wahrgenommene Wirkung seiner Entwürfe. Erfreuen wir uns an Ihnen – auch auf Rügen!
("á la carte" April / Mai 2009)