Montag, 2. August 2010

„Suse, liebe Suse“

Wer kennt nicht die Serien „Ein Bayer auf Rügen“ oder „Hallo Robbie“? Seit fast 100 Jahren werden nun schon Filme auf den Inseln Rügen und Hiddensee, sowie in der Hansestadt Stralsund gedreht – 1975 entstanden vor Rügen Filmaufnahmen zu einem – laut damaliger Filmkritik – gewollt progressiven DDR-Film...
Nach „Reife Kirschen“ (1972) reist der Regisseur Horst Seemann 1975 erneut zu Dreharbeiten an die pommersche Küste. Entstehen sollen Filmszenen zu seinem letzten Gegenwartsfilm „Suse, liebe Suse“... Jaecky Schwarz erinnert sich im Interview mit unserem Urlaubermagazin „á la carte“ (Ausgabe Juni/Juli 2010): „Den haben wir bei Groß Zicker gedreht. Das war wunderschön.“ schwärmt der Schauspieler noch heute und erklärt auch gleich, warum ausgerechnet hier gedreht wurde. „Immer wenn wir „hohe See“ drehen mussten, dann ging das ja nicht. Damals durfte man als DDR-ler nicht auf die hohe See. Also mussten wir auf dem Bodden oder bei Lubmin drehen.“ Schwarz spielt in „Suse, liebe Suse“ den wegen  versuchter Republikflucht in Haft befindlichen Manne. Er hat seine Frau Suse im Stich gelassen.
Da bleibt der von Traudl Kulikowsky gespielten Hauptdarstellerin nichts weiter übrig, als ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. So kümmert sie sich um die Erziehung des gemeinsamen Kindes und bestreitet den Lebensunterhalt mit einer Arbeit als Dumperfahrerin auf einer Großbaustelle. Dort begegnet sie auch dem sowjetischen Ingenieur Boris. Doch während Suse sich für ihn interessiert, scheint er kaum von ihr Notiz zu nehmen. Erst als sich beide doch noch auf einem Fasching näher kommen, fasst auch Suse wieder Hoffnung.
Manne - endlich aus der Haft entlassen - will nun zu seiner Frau zurückkehren. Sie weist ihn allerdings zurück. Längst hat Suse mit Manne abgeschlossen. Ob aber ihre Gefühle zu Boris eine Chance haben, muss sie noch herausfinden...
Während das Publikum an Horst Seemanns in Szene gesetzten Gegenwartsfilmen Gefallen fand, wurden die Werke des Sudetendeutschen Regisseurs innerhalb der DEFA Filmproduktion teilweise heftig angegriffen. Es verwundert  daher keineswegs, dass der Film den staatlichen Filmdienst weder inhaltlich noch von der Form her zu überzeugen wusste. Streitbar bleibt der – auch als oberflächlich kritisierte - Filmstreifen des renommierten DDR-Filmregisseurs allemal.