Freitag, 4. März 2011

Der Aufbau des Hilfsschulwesens auf Rügen

Norbert Korn bei der Arbeit
Bergen. Nach der Beendigung des zweiten Weltkriege kamen viele Menschen aus den ehemals z.T. deutsch besiedelten Gebieten - z.B. Ostpreußen, Polen, Tschechien, Ungarn - nach Deutschland. Die Familien waren zerrissen, die Kinder durch das Kriegsgeschehen traumatisiert, vernachlässigt. Der Schulbesuch hatte in den letzten Jahren in ihrer Heimat nicht mehr stattgefunden.
An ihren neuen Wohnungen wurden die Kinder eingeschult. Die Klassenstärke in den einzelnen Schulen betrug in den ersten Jahren 40 – 50 Schüler, von denen viele überaltert waren. So saßen z.B. 10- bis 12jährige in der 3. Klasse. Mit ihrem Abgang begann die Entflechtung der Klassenstärke, und nun konnten die Lehrer dem Leistungsstand größere Aufmerksamkeit schenken.
Es stellte sich heraus, dass viele Schüler den Lernprozessen nicht gewachsen waren. Deshalb beschloss das Ministerium für Volksbildung 1951, eine Einrichtung zur Förderung, Bildung und Betreuung lernschwacher Schüler zu gründen.

Auf der Insel Rügen wurde der Lehrer Norbert Korn vom Kreisschulamt in Bergen beauftragt, mit Beginn des Schuljahres 1951-52 eine Hilfsschulklasse an der Grundschule Putbus einzurichten. Sie bildete die Grundlage für die Entwicklung des Hilfsschulwesens auf der Insel Rügen.

Von hier aus leitete Norbert Korn die Entwicklung von Hilfsschulklassen an größeren Schulen des Kreises in die Wege. So entstanden:

die Hilfsschule in Göhren, Bergen, Saßnitz, Samtens
die Hilfsschule mit Internat für den Kreis Putbus in Sellin
die Hilfsschule mit Internat für den Kreis Bergen in Lietzow

In Norbert Korn hatte man einen engagierten Lehrer gefunden, der die fachlichen Voraussetzungen für das Hilfsschulwesen besaß. Er hatte bei seiner Ausbildung an der Deutschen Staatslehrerbildungsanstalt in Prag von 1919 bis 1923 zusätzlich die Befähigung als Lehrer an Hilfs-, Blinden- und Taubstummenanstalten erworben.
Er sah es als seine besondere Aufgabe an, die Lehrer in den Hilfsschulklassen durch fachliche Beratung zu unterstützen und ihnen in der Weiterbildung als Zirkelleiter die wissenschaftlichen Grundlagen für den Unterricht mit geschädigten Kindern zu geben.
Darauf bereitete er sich gründlich durch ständige Vervollkommnung seines Wissens in enger Verbindung mit anderen Hilfsschuleinrichtungen des Landes, der Universität Greifswald und namhaften Vertretern der Fachspezifik vor. Mehreren Kollegen ermöglichte er ein Zusatzstudium in Berlin.

Im Auftrag des Ministerium für Volksbildung war er maßgeblich an der Entwicklung des Aufnahmeverfahrens für Schüler und die Hilfsschule im ganzen Land beteiligt.
Von 1951-1967 leitete Norbert Korn die Hilfsschule in Putbus, die sich zu einer voll ausgebauten Schule mit Berufsschulteil entwickelt hatte. Ihm zur Seite stand eine Reihe von Kollegen, die ihn tatkräftig unterstützen:

Frau Link, Dorothea
Herr Link, Kurt
Fräulein Beyer, Dorothea
Frau Ruge, Hanna
Frau Brückner
Frau Korn, Irmgard sen.
Frau Barth
Herr Barth
Frau Weller
Herr Weber
(Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit)

Für seine Arbeit als Lehrer und Fachberater an Hilfsschulen des Kreises Rügen wurden Norbert Korn mit folgenden staatlichen Auszeichnungen geehrt:

1954    Karl-Friedrich-Wilhelm-Wandler-Medaille
1955    Medaille für ausgezeichnete Leistungen
1957    Pestalozzi-Medaille
1957    Medaille für ausgezeichnete Leistungen
1959    Dr. Theodor-Neubauer-Medaille
1960    Ernennung zum Oberlehrer

(Anmerkung: Der Titel „Verdienter Lehrer des Volkes“ wurde beauftragt, aber nicht realisiert, da Norbert Korn die Bedingung, in die SED einzutreten, nicht erfüllte)

Irmgard Korn