Donnerstag, 29. September 2011

Der Arndt-Turm auf dem Rugard

Der Ernst-Moritz-arndt-Turm auf dem Rugard
Da wir an der Küste keine großen Berge zu besteigen haben, mussten wir unsere Aussichtspunkte als Zweckbauten erst schaffen. So entstanden in der Vergangenheit eine Vielzahl von Bauwerken, die noch heute zum Blick über die Insel einladen. Einige möchten wir Ihnen gerne vorstellen.
Der Rugard war einst, als zentrale Erhebung der Insel, weithin sichtbar und unbewaldet. Erst 1830 begann man mit der parkartigen Aufforstung auf Veranlassung des Fürsten Wilhelm Malte zu Putbus. Heute, fast 200 Jahre später, recken sich die Spitzen der Bäume so hoch in den Himmel, dass sie ein später errichtetes Bauwerk schon fast zu verdecken drohen: Den allgemein mit 27 Meter Höhe ausgewiesenen Ernst-Moritz-Arndt-Turm.

Rundumblick möglich - u.a. Blick über den Kleinen zum Großen Jasmunder Bodden

Auf die zwischenzeitlich wieder ausgelichteten Anhöhe zog am 26. Dezember 1869 ein Festzug um den Grundstein für einen Aussichtsturm zu legen, der auch für den Fremdenverkehr als Ausflugsziel an Bedeutung gewinnen sollte. Doch trotz der mit der Errichtung verbundenen Wünsche sollte sich der Aufbau mangels finanzieller Mittel noch bis ins Jahr 1876 – andere sagen bis 1877 - hinziehen. Ob der besteigende Gast sich heute allerdings „durch den Blick in die großartige Ferne an die Erhebung erinnert, welche Arndt der Umschau auf der Warte der Zeit verdankte“, wie es 1869 die „Leipziger Illustrierte Zeitung“ meinte, bleibt dem freien Geist überlassen. Eine Erhebung und eine fast unbegrenzte Fernsicht war es für 20 Pfennige Gebühr von Anfang an. Heute kostet der Aufstieg über die eng gewendelte Steintreppe übrigens 1,50 EUR. Um so befreiender ist der Blick über eine mit eisernen Kreuzen dekorierte Brüstung der oberen Aussichtsgalerie. Natürlich geht es auch noch etwas höher. Wie hoch konnte uns leider niemand genau sagen. Aber dem Mutigen erschließt die oberste Plattform den einmaligen Blick durch eine Glaskuppel. Dabei liegt dem Betrachter unsere grüne Insel so zu Füßen, wie sie selbst nach der Errichtung noch niemand sah. Ursache: Die moderne Turmhaube aus diesem Jahrtausend ist u.a. der Tatsache geschuldet, dass die bereits anfangs erwähnte Bäume in den Himmel wachsen.
Angeregt von diesem Ausflugsziel lässt sich der Rugard als Stadtwald aber auch weiter entdecken. Neben einer Rodelbahn, einem Kletterwald und einer Gaststätte lockt auch eine Freilichtbühne mit Konzerten für jedermann.

Wer war Ernst Moritz Arndt?

Ernst Moritz Arndt (1769-1860)
Der Rüganer, dem zu Ehren der Turm auf dem Rugard errichtet wurde, galt schon zu Lebzeiten als umstrittener Dichter und Denker. Geboren am 26.12.1769 in Groß Schoritz polarisierte Arndt als Mann klarer Worte früh Freund und Feind. Das zeigte sich auch in seiner Einstellung gegen die französische  Fremdherrschaft (Napoleon) und für die Deutsche Einheit. Die Verehrung seiner Landsleute bedingt sich allerdings durch weitere wichtige Teile seines Lebenswerkes: Die tiefe Verbundenheit zur Insel Rügen, die ihren Ausdruck in Dichtungen und gesammelten Sagen fand, und die Kritik an der damals auf Rügen noch existierenden Leibeigenschaft, die progressive Sozialkritik am Alltag der Rüganer war. Gegen den heutigen Vorwurf des Franzosenhasses, des Antisemitismus und des Militarismus konnte sich der Demokrat ebenso wenig verteidigen, wie gegen die Vereinnahmung durch den Nationalsozialismus (1933-1945) und den Sozialismus (1949-1989). - Arndt starb bereits am 29.01.1860 in Bonn am Rhein.