Freitag, 2. September 2011

Von Insel zu Insel: Usedom

Rügen bietet mit seinen zahlreichen Schiffsverbindungen zu anderen Inseln schöne Tagesausflüge für die ganze Familie. Wir möchten Ihnen unseren ersten Ausflugs-Tipp vorstellen.
Selbstverständlich bewegt man sich auf einer Insel mit dem Auto, von Insel zu Insel jedoch am Besten mit dem Schiff. Von Gager werden so beispielsweise seit 1994 Schiffsfahrten nach Usedom angeboten. Über den Greifswalder Bodden schippert man so bequem an den Inseln Vilm, Greifswalder Oie und Ruden vorbei – und am Stau vorüber! – nach Peenemünde.
Unser Ziel erreichen wir – entspannt und nach Wetterlage auf oder unter Deck – nach einer Stunde und vierzig Minuten. Schon von der Ferne grüßt uns der Hafen Peenemünde. Weithin sichtbar erkennen wir einen markanten Industriebau aus rotbraunen Klinkern. Es handelt sich um das alte Kraftwerk der ehemaligen Heeresversuchsanstalt von Peenemünde. In dem teilsanierten Gebäude befindet sich heute das Historisch-Technische Museum. Umfassend erfährt man als Besucher die Hintergründe die zum Aufbau Peenemündes als „Geheime Kommandosache“ führten.

Das Kraftwerk Peenemünde und ein Raktenmodell
Neben den technischen Erfindungen, die sowohl eine militärische als auch später eine zivile Anwendung fanden, rücken Idee, Maschine und Mensch in den Vordergrund. Dabei wird neben den Technikern und Ingenieuren auch das Leben der Fremdarbeiter in dem Lager von Peenemünde dokumentiert. Besondere Nähe entwickelt sich im Anschluss. Nun kommen Zeitzeugen in Bild und Ton zu Wort, die  unterschiedlich das Erlebte betrachten. Technisch interessant ist die Darstellung und Dokumentation der verschiedenen Tests. Entgegen der allgemeinen Annahme fanden auf und vor Usedom nicht nur Startversuche von  Raketen, sondern auch Probeflüge von neuen Flugzeugen statt. So kam es hier sowohl zum Start des ersten Raketenflugs in das All, als auch zum erfolgreichen Aufstieg des weltweit ersten Düsenstrahlflugzeugs.

Spiegel-Titel mit Wernher v. Braun
Obgleich Peenemünde immer noch mit dem Namen Wernher von Braun verbunden wird, der als „Raketenmann“ später maßgeblich das Raumfahrtprogramm der USA bestimmte, so geht der Blick des Museums doch weit über diese Verengung hinaus. So bemüht man sich neben der Dauerausstellung auch verstärkt um zeitlich wechselnde Ausstellungen. Sie setzen sich vordergründig mit der zivilen Nutzung der Technik auseinander.
Die Vielzahl von Großexponaten der Raketen und ein Rundgang auf dem 25 qkm großen Areal komplettieren diese ungewöhnliche Museumslandschaft. Zu Recht stellt man nach dem Besuch fest, dass wohl an keiner anderen historischen Stätte so deutlich mit der Betrachtung von Nutzen und Risiken des wissenschaftlichen Fortschritts umgegangen wird.
Wer neben dem technischen auch ein maritimes Interesse hegt, kann es mit einem Besuch auf dem größten dieselgetriebenen U-Boot der Welt verbinden. Das U-461 Juliett ist eines von 16 damals in Dienst gestellten Booten. Es fuhr unter der Flagge der Baltischen Rotbannerflotte. Seit 1998 ist es in Peenemünde vertäut und lädt uns zu einem „Durchgang“ der besonderen Art ein. Gezeigt wird durch alltagsecht gekleidete Matrosen-Puppen das Leben und Arbeiten an Bord eines U-Bootes. Unser ungewöhnlicher Landgang endete nach etwas über 3 Stunden.

U-Boot der ehem. Baltischen Rotbannerflotte
Sicher hätte man auch noch die Ausstellung „Phänomenta“ mit ihren weit über 200 naturwissenschaftlichen und physikalischen Phänomenen besuchen können. Dazu fehlte uns allerdings diesmal die Zeit. Ein kurzweiliger und interessanter Tagesausflug endete wieder in Gager - zum Nachahmen lässt er sich weiterempfehlen!      

Hinweis zum Schiffsverkehr in der Woche:
Von Dienstag bis Donnerstag startet die „Hanseat“ um 11.00 Uhr, Freitags um 8.15 Uhr, ab Hafen Gager. Die Rückfahrt vom Hafen Peenemünde erfolgt ab 16.00 Uhr.