Donnerstag, 20. Oktober 2011

Als man noch keine Levis trug...

Um Rügen attraktiv zu machen, muss man das Besonderen an unserer Insel wieder betonen lernen. Zugegeben, mit Aktionismus hat die Bewahrung des Unterschiedes nicht zu tun. Werbende würden vom bewussten Erhalt regionaler Alleinstellungsmerkmale sprechen. Entdecken wir also die Insel neu...    
Wer eine Reise nach Schottland macht, kommt an Kilt und Dudelsack nicht vorbei. Kein Wunder! Traditionsläden bieten schließlich alles, was man zu einem „echten“ Schotten äußerlich benötigt. Und das ist bis heute auf Feierlichkeiten und in der regionalen Vermarktung unverzichtbar.
Grund genug mal einen Blick auf regionale Bekleidungen daheim zu werfen. Fritz Adler, der sich umfassend mit der pommerschen Volkskunst auseinander setzte, ging in seiner lokalen Betrachtung dabei speziell auf die „Mönchguter Tracht“ ein. Er verortete sie als letzten Bestand einer ursprünglich von Hiddensee bis zum Lieper Winkel (auf Usedom – Anm. d. Red.) verbreiteten Kleidungstradition.
Allerdings sah Adler auch bei ihr eine üppige Variantenvielfalt. Diese mag vor allem durch stetige Einflüsse von außen und mit ihr einhergehende Neubelebungen verbunden gewesen sein. Nachweislich war u.a. die städtischen Zeitmode nach 1800. So trugen die Fischer zu den weiten weißen oder schwarzen Fischerhosen - die praktischerweise das Anschlagen des Wassers an den Körper vermieden - einen Abendmahls- und Festtagsrock, als Kopfbedeckung auch einen Zylinder. Bei den Damen erfreuten sich Strohhüte, in Form der Biedermeierschute, und Perlenbestickte Brustlätze großer Beleibtheit. Beständig blieb die Farbwahl: So wurde bei der „Mönchguter Tracht“ das festliche Schwarz mit einem darauf abgestimmten Dunkelrot und Dunkelblau kombiniert.
Dokumentiert durch alte Fotos und das Mönchguter Heimatmuseum kamen wir ins Nachdenken. So sah das also aus, als man noch keine Levis trug. Und heute? Katharina, ein echtes Inselkind, hat es mal ausprobiert...