Freitag, 14. Oktober 2011

Georg Karl Boldt (1851-1916)

Ein Rüganer macht sein Glück in Amerika
„Vom Tellerwäscher zum Millionär...“
Kein Satz wurde öfter bemüht, um Amerika - das Land der unbegrenzten Möglichkeiten – zu beschreiben. Das dieser Satz durchaus Berechtigung hatte, wird durch eine Vielzahl von Legenden nahe gelegt. Eine begann auf unserer Insel völlig unspektakulär mit der Auswanderung der Familie Boldt.
Wie viele Pommern, kehrte auch die Rügener Familie Boldt in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts ihrer Heimat den Rücken. Ihr Ziel war Amerika. Hier wollte die Familie wieder wirtschaftlich Fuß fassen und der noch auf der Insel geborene Sohn Georg sollte es später wirklich zu Reichtum bringen. Aber ist die überlieferte Legende nicht zu schön, um wahr zu sein?
„Der Rüganer arbeitete als Nachtportier in einem Hotel, als in einer stürmischen Nacht ein älteres Ehepaar um ein Hotelzimmer bat. Da das Haus völlig ausgebucht war, bot er sein bescheidenes Zimmer als Obdach an. Eine folgenreiche Entscheidung, denn am nächsten Morgen, bedankte sich der Herr bei dem Portier mit anerkennenden Worten - schließlich kann sich ein Hotelbesitzer keinen besseren Mitarbeiter wünschen! - und versprach eines Tages ein Hotel für ihn zu bauen. Nach Jahren soll ihm dieser Mann – William Waldorf Astoria – wirklich das Hotel gebaut und ihm dafür die Leitung angetragen haben. Boldt willigte ein und soll so schon bald zu Wohlstand und Reichtum gekommen sein.“
Als gesichert gilt, dass der am 25. April 1851 in Bergen als Georg Karl Boldt geborene Rüganer in Amerika von seinem Schwiegervater zum Assistenten im exklusiven Philadelphia Club ernannt wurde. Die Verbindung zu den dort verkehrenden Mitgliedern und ihre finanzielle Unterstützung ermöglichten ihm und seiner Frau Luise den Aufbau eines eigenen kleinen Hotels. Das „Bellevue“, so der Name des Hauses, hob sich dabei schon bald von dem damals üblichen Standart ab. So legte Luise beispielsweise besonderen Wert auf die Ausstattung und das Detail, wie Schnittblumen und Kerzen auf den Tischen. Und auch die Gastronomie galt schon bald als hervorragend. Der gute Ruf führte beispielsweise dazu, dass die Philadelphia Schildkröte aus dem „Bellevue“ sogar an die englische Königin Victoria verschifft wurde.

Auch die Begegnung mit der Familie Astor und den Vanderbilts, sowie die Führung des neuen „Waldorf Astoria“ in New York City gilt als belegt. Doch wo lag das Geheimnis seines Erfolgs? Bedingt durch den Einfluss seiner großen Liebe Luise legte Boldt in seinen Hotels besonderen Wert darauf, die Häuser für Frauen attraktiver zu machen. Gleichzeitig lag er im Preissegment weit über den üblichen Durchschnitt. Dies hatte zur Folge, dass die Kunden bei ihm Schlange standen, um gesellschaftlich zu zeigen, dass sie es sich leisten konnten. Zur Steigerung dieses Effekts trug rein äußerlich auch die Einschränkung des Zugangs bei, die nur gewährt wurde, wenn die Herren weiße Krawatten trugen und zahlungskräftig waren. Das 1894 eröffnete Waldorf-Astoria startete allerdings zu einem deutlich ungünstigen Zeitpunkt. In Amerika herrschte eine wirtschaftliche Depression. Doch dies tat dem Erfolg, entgegen aller Befürchtungen, keinen Abbruch. Im Gegenteil. Das Haus wurde 1897 sogar erweitert und damit zum größten Hotel der Welt. Ein Zeitzeuge brachte die Leistung des Rüganers so auf den Punkt: „Boldts Genialität darin bestand, der Masse Exklusivität anbieten zu können“. Am 5. Dezember 1916 starb der geniale Hotelier als George Charles Boldt in seinem Zuhause in der 9. Etage des „Waldorf-Astoria“ im Alter von 65 Jahren. Sein Vermögen wurde zum damaligen Zeitpunkt auf 25 Millionen US-Dollar geschätzt. Wie sehr er Achtung erfuhr, lässt sich vielleicht davon ableiten, dass für das letzte Geleit - vom Waldorf-Astoria zur Kirche - der Verkehr angehalten wurde und einige der bekanntesten und mächtigsten Männer Amerikas als Sargträger dienten.
Zu den bekanntesten Spuren, die der Rüganer hinterlassen hat, zählt heute sicher eine herzförmige Insel im St.-Lorenz-Strom auf der er für seine Frau Luise ein Romantikschloß mit 120 Zimmern errichten ließ, um es ihr zum Valentinstag zu schenken. Doch bedingt durch den frühen Tod seiner Frau im Jahre 1904 wurden alle  Arbeiten eingestellt. Heute ist das Haus „Boldt Castle“ und „Heart Island“ eine Touristenattraktion, die bereits Millionen von Besuchern in ihren Bann zog.