Donnerstag, 22. Dezember 2011

Hans Langsdorff (1894 -1939)

„Der tragische Held.“
Seinen Maximen, unter denen er angetreten ist, folgte er. Als Mensch und Christ entschied er sich  für das Laben seiner ihm anvertrauten Mannschaft. Als Kommandant verknüpfte Langsdorff sein persönliches Schicksal mit dem seines Panzerschiffes „Graf Spee“.  
Das ein Rüganer durch sein Handeln im Krieg Weltruhm erlangt, ist wohl mehr als ungewöhnlich. Das ihm der Feind Respekt zollt? Wohl auch. Doch wer war dieser Hans Langsdorff?
Die Antwort fällt schwer, denn heute gibt es kaum noch Zeitzeugen. Alleine seine Briefe und Unterlagen lassen die Familie hoffen, dass es vielleicht doch noch zu einer Biografie über diesen ungewöhnlichen Rüganer kommt. Doch wie sollte sie beginnen? Natürlich mit seiner Geburt am 20. März des Jahres 1894 in Bergen. Seiner anschließenden Taufe am 19. April in der Marienkirche auf den Namen Johann Wilhelm Rudolf Langsdorff. Und die Stadt? Hier war Hans Langsdorff sein Vater Ludwig als jüngster Richter am Königlichen Amtsgericht tätig. Hinweise auf Langsdorff sucht man in Bergen allerdings vergeblich.
Ortswechsel: In Montevideo, der Hauptstadt Urugay´s kennt ihn wohl jedes Kind. „Langsdorff.“ Und der Akzent mit dem der Name ausgesprochen wird, gibt ihm einen zusätzlichen Klang. Unübersehbar ist im Hafen ein großes Denkmal errichtet worden. Es wird immer wieder mit frischen Blumen geschmückt, von Deutschen, Engländern – „Freund“ und „Feind“ – natürlich auch von den Einheimischen. Denn hier wird erinnert an „The Battle of the River Plate“. Man kennt den gleichnamigen Film und als die Bergung des wohl berühmtesten Schiffswracks, der „Graf Spee“, vor Montevideo angekündigt wurde, hatten sich mehrere Filmteams – auch James Cameron („Titanic“) angesagt...
Wir blicken zurück: Im November 1938 übernimmt Hans Langsdorff das Kommando über eines der drei berühmten „Westentaschenschlachtschiffe“. Doch der Spitzname täuscht, denn diese Kreuzer waren schneller als jedes stärkere und stärker als jedes schnellere Schiff. Mit modernster Technik und einem Dieselantrieb lief die „Graf Spee“ am 21. August 1939 von Wilhelmshafen mit Kurs auf den Südatlantik aus. Ihr Ziel war es, Handelsschiffe aufzubringen und zu vernichten. In vier Monaten versenkte die „Graf Spee“ so neun Frachter mit insgesamt 50.089 Bruttoregistertonnen, ohne dass auch nur ein einziger Seemann sein Leben verloren hätte. Winston Churchill beschrieb das geschickte Vorgehen Langsdorff später so: „Die Graf Spee wurde kühn und unternehmungslustig geführt. Ihre Taktik war, irgendwo kurz zu erscheinen, ein Opfer zur Strecke zu bringen und dann wieder in der Unendlichkeit des Ozeans zu verschwinden.“ Bedingt durch diese Strategie war der Kreuzer in der Lage eine große Zahl von feindlichen Kräften zu binden, die nun danach trachteten den „einsamen Wolf“ zu stellen. Dies gelang der britischen Kampfgruppe „Force G“ jedoch erst am 13. Dezember. Während das Flaggschiff „Ajax“, unterstützt von der „Achilles“ den deutschen Kreuzer von Osten her attackierte, griff die „Exeter“ mit ihren schwereren 20,3-cm-Geschützen aus Richtung Süden an. Die „Graf Spee“ erhielt dabei insgesamt 20 Treffer, löste sich schließlich aus dem Gefecht um den neutralen Hafen Montevideo am Rio de la Plata anzulaufen und die Schäden auszubessern. Die von den versenkten Handelsschiffen aufgenommenen Besatzungen wurden an Land frei gelassen, die beim Gefecht getöteten 36 Soldaten unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt.
Doch die Schäden am Schiff ließen sich in der nach dem Völkerrecht festgelegten Liegefrist von 24 Stunden in neutralen Häfen nicht beheben, dazu reichte auch eine eingeräumte Fristverlängerung auf 72 Stunden nicht aus. So musste sich Langsdorff entscheiden, ob er den Hafen verlässt, um sich dem Gefecht mit den britischen Schiffen zu stellen oder ob er den Kreuzer „Graf Spee“ an Uruguay übergeben wollte und die Mannschaft internieren zu lassen. Langsdorff entschied sich für das Auslaufen. Allerdings hatte er nur eine Notmannschaft an Bord und verdarb seinen Jägern den Triumph. Durch die Selbstversenkung des Schiffes konnte es nicht in fremde Hände fallen. Seine Entscheidung fiel so für die ihm anvertraute Mannschaft, der er das Leben bewahrte. Sein eigenes Schicksal teilte er mit dem ihm zum Kommando übergebenen Schiff durch seinem Freitod am 19. Dezember.
Am 22. Dezember 1939 wurde er auf dem deutschen Friedhof von Buenos Aires unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt. 1954 besuchte seine Tochter Inge erstmals sein Grab in Argentinien.