Dienstag, 20. Dezember 2011

Leuchtfeuer über Schnee und Eis

Sicher kennen Sie die Serien „Ein Bayer auf Rügen“ oder „Hallo Robbie“. Doch wussten Sie, dass man seit nun schon fast hundert Jahren Filme auf den Inseln Rügen und Hiddensee, sowie in der Hansestadt Stralsund dreht? Zu den fast verlorenen Filmen gehört ein Film der besonderen Art...
Winter 1962/63. Mühsam stapfen zwei junge Leute durch den Schnee, prüfen die Lichtverhältnisse, fokussieren den Bildausschnitt und wechseln die Standpunkte. Eifrig diskutieren sie den Ablauf und die Drehbewegung. Aufsehen erregen sie dabei schon. Bereits in Greifswald, wo mehrfach eine Szene geprobt wurde, gab es immer wieder staunende Blicke. Was denn gedreht würde? Aha, ein Kulturfilm.
Heute kann man sich unter dem Begriff kaum noch etwas vorstellen. Und eigentlich wäre die Einordnung auch nicht richtig, denn für das 16-mm-Schwarz-weiß-Material wäre eher die Bezeichnung Kurzfilm treffend. Im Handlungsmittelpunkt steht ein junger Mann der Heimweh verspürt und sich aufmacht, um zurückzukehren in das angestammte Heim auf der Insel Hiddensee. Schließlich ist Weihnachten. Und das  verbringt man besser im Kreise seiner Lieben als einsam in der Stadt.
Über Nacht hat der Winter Einzug gehalten und der Insel ein weißes Kleid angelegt. Geradezu verzaubert von dieser Wandlung erkundet der junge Mann sein ihm vertrautes Eiland. Manche Erinnerung kommt einem  dabei in den Sinn und über allem wacht – fest wie eine Burg - der Leuchtturm auf dem Dornbusch. Er schickt den Schein seines Leuchtfeuers über Schnee und Eis.
Dieser zuweilen romantische Film, der mit einer Spieldauer von nur 22 Minuten eine in sich geschlossene  Geschichte zu erzählen vermag, besticht durch schöne Naturaufnahmen und eine geschickte Kameraführung. Sie lässt den Zuschauer eintauchen in eine Zeit, die weit vor uns lag. Von Interesse sind dabei nicht nur die Aufnahmen vom „söten Länneken“, sondern auch von der Universitätsstadt Greifswald, dem Ausgangspunkt der Handlung. Aufgearbeitet, digitalisiert und nachvertont ist der lange verloren geglaubte Film, der auch einst im alten Zeltkino Hiddensee aufgeführt und durch das Studio Rostock des Deutschen Fernsehfunks ausgestrahlt wurde, ein sehenswerter Streifen. Er ist als DVD nun auch im Heimatmuseum in Kloster erhältlich.