Sonntag, 12. Februar 2012

Baltzer Bogislaus von Platen (1766 -1829)

„Vom Seekadetten zum berühmtesten Kanalbauer Schwedens.“
„Er war ein schlichter, derber Mann, ein eiserner Charakter voll Verstand, Einfall und Ausdauer, ein fast amerikanisch-republikanischer Mann im besten Sinne.“ So beschrieb sein Landsmann Ernst Moritz Arndt den pommerschen „Schweden“, der am 29. Mai 1766 auf dem Gut Dornhof bei Schaprode als Rüganer das Licht der Welt erblickte.
Irgendwo zwischen Poggenhof und Neuholstein befand sich einst das Geburtshaus Baltzer Bogislaus von Platen. Der Bestimmung seines Vaters folgend führte ihn sein Lebensweg zunächst auf die Seekadettenschule nach Karlskrona, wo er seine Ausbildung für die Seefahrt erhielt. Nach Tätigkeiten in der Handelsflotte fuhr von Platen im schwedisch-russischen Krieg (1788) als Flottenoffizier auf dem Linienschiff „Prinz Gustav“. In einem Seegefecht vor der Insel Hogland – im finnischen Meerbusen - wurde er schwer verletzt und kam nach Nowgorod in russische Kriegsgefangenschaft. Nach einer rückwirkenden Beförderung zum Kapitän und einer weiteren zum Oberstleutnant, erhielt er den Rang des Ritters des Schwertordens.
1800 verließ er die Flotte und ging in die Politik. Hier erfuhr er viel Achtung - als Mitglied des Staatsrates in Stockholm, Generalgouverneur von Holstein, Schleswig und Jütland und Reichsstatthalter von Norwegen. Wie viele andere pommersche „Schweden“ verfügte auch von Platen über eine Nähe zum schwedischen Königshaus. Dies ermöglichte ihm auch das zeitweise Niederlegen von Ämtern, um sich einer anderen Berufung zuzuwenden: Dem Kanalbau.
Dazu führte er verschiedene Reisen nach Preußen, Frankreich und England durch. Richtungsweisend wurde für ihn eine selbst verfasste „Abhandlung über Kanäle durch Schweden mit besonderem Bezug auf die Verbindung von Vänern bis zur Ostsee“ aus dem Jahre 1806. Sie begründete den Beginn seines Lebenswerkes, der Vollendung einer Verbindung zwischen Nordsee und Ostsee. Strategisch versprach die Realisierung dieses Bauvorhabens nicht nur wirtschaftlichen, sondern auch militärischen Nutzen. Neben einem Zeit- und Kostenersparnis gegenüber einer 800 Kilometer langen Umschiffung Südschwedens, konnte man so auch der Zollkontrolle Dänemarks entgehen, die seit 1429 den Öresund – die Meerenge zwischen Schweden und Dänemark – beherrschten. 
Nachdem von Platen 1808 noch im Auftrag des schwedischen Königs Gustav IV. Adolf mit der Planung begann, bedurfte es allerdings einer wortgewaltigen Rede im entscheidenden Reichstag, um das Projekt für den 190 Kilometer langen Kanal auf den Weg zu bringen. Die mit der Realisierung verbundenen Kosten waren gewaltig. Schließlich bewegten 58.000 Soldaten in den Jahren 1810 bis 1832 die unvorstellbare Materialmenge von 300.000 Kubikmeter Steine und Erde, um den drei Meter tiefen und rund 14 Meter breiten Kanal entstehen zu lassen.
Die Fertigstellung des Göta Kanals, eine der originellsten Wasserstrassen der Welt, sollte von Platen nicht mehr erleben. Am 6. Dezember 1829 erlag der berühmteste Kanalbauer Schwedens in Christiana, dem heutigen Oslo, einem Krebsleiden. Sein Grab befindet sich am nördlichen Ufer des Göta Kanals – nahe Motala, der ersten Industriestadt Schwedens, die durch ihn begründet wurde.
Heute ist der Götakanal eine der bekanntesten Touristenattraktionen Schwedens. Wer mehr über diese größte technische Meisterleistung wissen möchte, kann im Sommer zwei Ausstellungen am Kanal besuchen. Während die Göta-Kanal-Ausstellung (Göta kanalutställningen) in Motala über die Entstehung des Göta Kanals informiert, liegt im Kanalmuseum (Kanalmuseet i Sjörtorp) in Sjötorp der Schwerpunkt bei einer Darstellung der Schifffahrt auf dem Göta Kanal. Neben einer Vielzahl von Bootsmodellen werden in einer Daueraustellung auch Briefe des Rüganers von Platen gezeigt.

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