Freitag, 27. April 2012

Pommersche Pfingsten

Gibt es auch bei Ihnen „Bräuche“ zu Pfingsten? Nun, wir fahren seit Jahren immer wieder auf den gleichen Zeltplatz nach Thiessow - zum Campen. So erfuhren wir im letzten Jahr auch eher zufällig von einem alten Brauch. Ein betagter Mann, dem wir auf der Terasse von „Eules Strandimbiss“ begegneten, erzählte uns, wie man früher noch Pfingsten feierte...
Damals, so erzählte er uns, wurden die Fensterkreuze mit Birkenzweigen geschmückt und in aller Heimlichkeit Pfingstbäume aufgestellt. Letztere waren keine Birken, sondern ragende Tannen – je höher um so besser. Von ihren Zweige entkleidet, verzierte man den nackten Stamm mit bunten Girlanden, Kränzen und einer Krone von Tannengrün. Das fertige Schmuckstück wurde einem Bauern– ohne Absprache! - auf dem Hof gebracht. Der so plötzlich zum „Baumherrn“ gewordene Bauer, musste dann „abtanzen“ lassen. Während sich die Leute unter dem Pfingstbaum versammelten, kletterte ein Bursche zur Spitze hinauf und hielt eine Rede auf den „Baumherrn“ und seine Frau - die „Baumfrau“. Nach einem Umzug durchs Dorf – begleitet von einer Musikapelle – begann das eigentliche „Abtanzen“. Hierzu führte der Bursche die „Baumfrau“ zum Tanze, der „Baumherr“ suchte sich eine andere Tanzpartnerin. Das „Abtanzen“ war eröffnet. Der auserwählte „Baumherrn“ musste dazu übrigens das Freibier, den Tabak und den Schnaps ausgeben. Eigentlich schade, dachten wir, dass diese Bräuche in Vergessenheit geraten sind. Aber uns fiel auch kein Bauer ein, dem man heute noch einen Pfingstbaum auf den Hof tragen könnte...