Donnerstag, 17. Mai 2012

„...ich schlug Purzelbäume, als ich das Meer sah!“

 
„Waldi Weiz Trio“: Waldi Weiz. git/voc (2.v.l.), Simon Anke: key/ keybass,
Sebastian Trupart: dr., Terrenc a. Bowry: voc/ perc.

Am 17. und 18.Juni gastiert das „Waldi Weiz Trio“ in der Binzer Villa Salve im Rahmen des „Blue Wave Festivals“. Was die Gäste auf der Session erwartet, darüber sprachen wir mit dem Namensgeber des Trios – Waldemar „Waldi“ Weiz.

Herr Weiz, sie sind mit Musik „groß“ geworden. Wie sieht Ihr Rückblick aus? Schließlich ist der Weg vom Jungen mit dem Akkordeon zum legendären Blues-Musiker schon ungewöhnlich...
Waldemar „Waldi“ Weiz: Ich messe nur 1,63 m (!), bin sehr sensibel und hoch musikalisch - vielleicht
finden sich schon hier Ursachen für so manchen Blues. Hätte ich einen guten Klavierlehrer gehabt, wäre ich vielleicht ein "großer" Konzertpianist geworden - so lernte ich erst mal Akkordeon. Mit dem Akkordeon spielte ich da in einem 30-köpfigen Orchester für Urlauber und hatte so mit 11 Jahren zum
ersten mal Gelegenheit. die Ostsee zu erleben. ich schlug Purzelbäume, als ich das Meer sah und diese liebe hat sich erhalten. In den Jahren danach liebte ich wohl am meisten die Vorstellung, dass hier die DDR unter Wasser sanft in den Rest der Welt überging. Ach ja, die Gitarre - brachte ich mir selbst bei, denn wie überall auf der Welt die Jugend, so hatte auch mich die Beatwelle ergriffen und später entdeckte ich , dass
besonders die Töne der Blackmusic bei mir alle Gefühlsregister zogen. Das ist eine rein musikalische Sache, unabhängig von solchen Inhalten, wie "verlassen, oder schlecht behandelt worden zu sein" - dann allerdings helfen die töne, sich bald wieder besser zu fühlen.
Was bedeutet für Sie und Ihr Lebensgefühl der Blues? Und: Wie dicht kommt ein „Weisser“ an diese ursprünglich „schwarze“ Musik heran?
Waldemar „Waldi“ Weiz: Das OHR am Radio! Mittelwellenrauschen! Ende der Sechziger. Ich denke, das habe ich schon fast beantwortet. aber manchmal spürt man bei den schwarzen Musikern, dass sie sauer sind, IHRE Musik von Weißen mehr oder weniger gut interpretiert hören müssen, als wolle man ihnen etwas wegnehmen - aber in Wirklichkeit geschieht das mit einem unglaublichen Respekt von Seiten der Weißen. Und viele zum Teil ungelungene Versuche mit aller Gewalt Blues spielen zu wollen, haben ja bekanntlich solche großen Bands wie Rolling Stones u.a. hervorgebracht, und wiederum eine neue Musikwelt geschaffen - welche wiederum dem Blues im Original zu weltweiter Beachtung verholfen haben...
Nun dürfen wir eine Session mit Ihnen im Rahmen des „Blue Wave Festivals“ in Binz erleben. Doch was werden Sie von der Insel sehen? Wie gut kennen Sie die Insel?
Waldemar „Waldi“ Weiz: Wir sind zwei Nächte da und, mein Keyborder, Simon Anke, und ich, werden bereits am Bluescamp in Göhren teilnehmen. Natürlich werde ich auch die Gelegenheit suchen, mich da dem Taint meines Sängers noch etwas anzugleichen. Ansonsten kenne ich einige Orte der wunderbaren Insel von Auftritten aus der Vergangenheit und vom damaligen FDGB- Urlaub (mit Anstehen beim Essen) - Immer ein Highlight!
Dann wünschen wir Ihnen und Ihren Musikern einen schöne Tage am Meer!
Waldemar „Waldi“ Weiz: Vielen herzlichen Dank! 

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