Montag, 28. Mai 2012

„Inge Larsen“

Sicher kennen Sie die Serien „Ein Bayer auf Rügen“ oder „Hallo Robbie“. Doch wussten Sie, dass auch der deutsche Stummfilmstar Henny Porten auf Rügen drehte?
Mitte Oktober 1922 wurden die Außenaufnahmen zu dem Stummfilm „Inge Larsen“ auf Rügen begonnen. Mit dem lange als verschollen geglaubten Filmstreifen wollte Henny Porten damals nach den Flops der Stummfilme „Die Hintertreppe“, „Frauenopfer“ und „Sie und die drei“ wieder zurück auf die Erfolgsspur.
Experimente waren ausgeschlossen und so besann sich Henny Porten auf die Rolle, die ihr Stammpublikum von ihr erwartete: Die Verkörperung der idealen deutschen Frau und Mutter.
Und so sieht das Drehbuch für sie die Rolle einer einfachen Fischertochter vor, die in Baron Kerr – er erholt sich in ihrem Elternhaus von einer Verletzung auf hoher See - ihren Liebhaber und späteren Ehemann finden soll. Als sie Familie, Heimat und Freund - Fischer Jan Olsen – verlässt, um mit dem Baron auf ein ruhiges Landgut zu ziehen, scheint das Glück zunächst vollkommen. Doch schon bald wird ihrem adligen Ehemann eine Schlüsselposition in der Landespolitik angetragen. Die Dramatik steigt, als auch eine Freundin des Baron Kerrs seine Nähe und Zuneigung sucht. Inge scheint - nach der Geburt ihres Kindes - mit der Situation vollständig überfordert zu sein. Die Ehe läuft schlecht. Und Baron Kerr bezichtigt sie sogar der Untreue. Auch wenn der Vorwurf des Betrugs mit ihrem alten Freund – Fischer Jan Olsen – unbegründet ist, so spitzt sich alles weiter zu. Jan Olsen wird durch die Polizei verhaftet und Inge will sich und ihr Kind ertränken. Natürlich wird sie gerettet. Nun steht allerdings einer Rückkehr in die Heimat und einem glücklichen Ende mit Jan Olsen nichts im Weg.
„Inge Larsen“ gilt als letzter Film einer kurzlebigen Kooperation mit dem Berliner Filmproduzenten Hanns Lippmann. Den Weg in die Kinos findet der Streifen nur schwer. Zu groß sind Erwartung und Erfolgdruck auf Henny Porten. Unzufrieden mit dem Ergebnis bricht sie Ende April 1923 sogar nach Kopenhagen auf, um Außenaufnahmen neu zu drehen.
Erst am 16. Oktober 1923 (!) kommt es schließlich zur Premiere des Films in Berlin. Die Kritiker sind irritiert. Der - mit 1823 Metern (!) - auffallend kurze Film ist durch den nachträglichen Neuschnitt vom Ensemblefilm mit ausgestalteten Nebenepisoden zu einem reinen Star-Film geworden. Szenen ohne Henny Porten fielen so ganz oder zum Teil dem Schnitt zum Opfer. Das Echo ist geteilt. Neben höflichem Applaus gibt es auch Spott und Häme. Der Vorwurf: Die rührende Mutter hat mit ihren Glycerintränen voll „auf Publikumswirkung“ und finanziellen Erfolg gesetzt.
Zu den Besonderheiten des Films dürfte aus heutiger Sicht die Besetzung zählen. In „Inge Larsen“ begegnen wir einem jungen Schauspieler aus Hamburg. Als Hans Albers wird er später mit dem „Blauen Engel“ an der Seite Marlene Dietrichs erstmals von einem großen Publikum wahrgenommen werden. Doch dies ist eine andere Geschichte.
Unser heute vorgestellte Filmstreifen „Inge Larsen“ verdankt es einem glücklichen Zufall wieder entdeckt worden zu sein. Die Filmrolle mit einer gut erhaltene Sicherungskopie des Stummfilms wurde in ihrer Handlung durch das Bundesfilmarchiv und die University of England rekonstruiert und restauriert.