Mittwoch, 20. Juni 2012

Das Forsthaus Prora

Einst war das 1000 Morgen große Revier Prora eine lange, sich oft bis unmittelbar an den flachen Strand ziehende Heide - charakteristisch geprägt von seinen vom Winde zerzausten und im Laufe der Zeit bizarr verbogenen Kiefern. Eingebettet in diese Jagdgründe an der Prorer Wiek: Das Forsthaus Prora.
 
Längst ist es zum „Nebenort“ geworden. Zugewachsen und verwahrlost fristete das Forsthaus Prora in den letzten Jahrzehnten sein Dasein - versteckt in einer Randlage. Verhallt auch der berüchtigte Fuhrmannsruf: Hollt vör de Prora!“ Wo einst ein sehr anmutiger Fahrweg eines Warnrufes bedurfte und die Heide erstmals erschloss, wälzt sich heute tagtäglich der Einheimische und der Besucher im allgemeinen Verkehrsstrom. Nach dem Traum vom Seebad für 20.000 Menschen und der erfolgten Nachnutzung hat sich die Prora gewaltig verändert. Eine zerschnittene Landschaft, aus der das nun wieder „freigesägte“ Forsthaus, wie ein gestrandetes UFO aus längst vergessenen Zeiten wirkt.
 
„Gelandet“ war es etwa 1857. Erbaut im Auftrag des Fürsten zu Putbus, sollte es Heimstatt für den Förster und Verwalter der Jagdgründe bieten. Architektonisch lässt sich die Nähe des Entwurfs zum Jagdschloß in der Granitz nicht leugnen. Und selbst im Zerfall begriffen, strahlt dieser zweigeschossige Bau mit seinem zinnenbekrönten Turm - der zur Erschließung der Seitenflügel genutzt wurde - Anmut und Wehrhaftigkeit aus. Widerstanden hat er der Zeit. Und wenn alles klappt, wird er endlich saniert und als „kleinerer“ Nachbar eines 900 qm großen Umweltinformationszentrum mit Erlebnisausstellung und Baumkronenpfad dienen.
 
So könnte auch das Forsthaus wieder ein beliebter Ausflugsort werden – wie vor etwa hundert Jahren. Damals hatte der Förster Constantin Hahnel die Erlaubnis zum Ausschank von Milch, Kaffee und alkoholfreien Getränken erhalten und so Bootsreisenden, die von der Lietzower Fähre kamen, eine angenehme Rast bieten können. Grund genug sich auch wieder seiner letzten Ruhestätte auf der Halbinsel Thiessow anzunehmen. Der Förster, der über 30 Jahre seinen Dienst im Forsthaus tat, hatte sie sorgsam gewählt. Von hier bot sich einst ein schöner Blick auf das Forsthaus.
 
Wenn auch die derzeitige Sicht getrübt ist, so darf man hoffen, dass nun auch für das alte Forsthaus wieder eine Perspektive mit Zukunft hat. Die Erinnerung an Vergangenes sollte dabei allerdings nicht ausgespart werden. An einem historischen Modell zeigten die neuen Hausherren bereits Interesse, wir zeigen an dieser Stelle als weitere kleine Anregung zum Forsthaus historische Ansichten und ein Foto von Constantin Hahnel aus dem Archiv von Harro Schack.