Mittwoch, 13. Juni 2012

Gustav Friedrich Wilhelm von Barnekow (1779 -1839)

„Vom mutigen Haudegen zum legendären Kosakenführer“

Rügen. (SAS) Sein Name ist weitgehend verblasst: Gustav Friedrich Wilhelm von Barnekow. Darum soll auch dieser Rüganer wieder in Erinnerung gerufen werden.
Als Spross eines uralten rügenschen Adelsgeschlechtes erblickte Gustav von Barnekow am 10. Februar 1779 in Teschvitz bei Gingst das Licht der Welt. Hier hatte sein Vater, Christoph Gottlieb Bogislav von Barnekow, zwei Jahre zuvor das Gut übernommen und mit der Erneuerung von Gebäuden und Wirtschaft begonnen.
Im frühen Alter von 15 Jahren trat er in den Heeresdienst ein. Von seinem sächsischen Regiment wechselte der junge Mann aber schon bald in preußische Dienste. Im Range eines Leutnants musste Barnekow so den Zerfall des alten Preußens erleben, dessen Höhepunkt die Niederlage in der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 gegen die Franzosen unter Napoleon Bonaparte war. Obgleich dem Gegner zahlenmäßig weit überlegen, verstand es die militärische Führung damals nicht, diesen Vorteil für sich zu nutzen. Der Militärstratege Clausewitz stellte später fest, dass die preußische Armee – wie keine andere Armee vor ihr (!) auf dem Schlachtfeld - durch die Einfallsarmut der eigenen Heerführer zu Grunde gerichtet wurde. Im Trubel der Auflösung und des Zerfalls begriffen, gelang es dem jungen Barnekow jedoch sich den nachsetzenden Franzosen zu entziehen. Erst im Zuge des ordnenden Rückzugs unter Blücher geriet er am 7. November beim Dorf  Ratekau in Gefangenschaft – aus welcher er sich aber freikaufen konnte.
Unverdrossen trat er 1807 in die Brigade Wedel ein, wo ihm durch Mut und Tapferkeit gleich zwei Mal der „Pour le Merite“* zuerkannt wurde. Allerdings konnte der Draufgänger seine Zunge ebenso wenig im Zaune halten, wie sein Schwert in der Scheide. Nach dem Frieden von Tilsit, der Preußen um die Hälfte seines Gebietes beraubte, kam es zu einem folgenschweren Zwischenfall im ostpreußischen  Königsberg. Beim Eintritt französischer Marschälle in das Theater der Stadt wurden sie von dem glühenden Patrioten ausgepfiffen. Barnekow kam in Arrest und sollte auf Napoleons Ersuchen ausgeliefert werden. Allein dem preußischen König verdankte er noch einmal die Wendung seines Schicksals. Stillschweigend aus dem Dienst entlassen, wurde er als geflohen gemeldet.
Als Freiwilliger kämpfte der Rüganer nun ab 1809 auf österreichischer Seite weiter gegen Napoleon Bonaparte. Als dieser jedoch auch Russland den Krieg erklärte, wechselte er in russische Dienste über. Hier sollte Barnekow schon bald als wilder Kosakenführer gefeiert und gefürchtet werden. Sein Wagemut, der auch vor schwerer französischer Reiterei nicht halt machte, kostete ihn am 7. September 1812 in der Schlacht bei Borodino fast das Leben. In einer der blutigsten Schlachten des 19. Jahrhunderts wurde Barnekow von einer Kugel in der Lende getroffen und durch Lanzenstiche verletzt. So zerschunden, las man ihn glücklicherweise vom Schlachtfeld auf und brachte ihn über Moskau in das sichere Twer. Gesund gepflegt von der Schwester des russischen Kaisers Alexander I., Prinzessin Katharina, kämpfte er nach seiner Genesung mit Czernischeff weiter gegen den französischen Tyrannen Napoleon Bonaparte.
Ernst Moritz Arndt verdanken wir die Beschreibung einer ersten Begegnung mit seinem Landsmann - dem „deutschen Kosakenwunder“ - am 21. Dezember 1813 in Königsberg: „Hier saßen wir kaum beim Teetische, wo sich schon mehrere stattliche Männer um Stein (leitete mit Hardenberg die preußischen Reformen ein – Anm. d. Red.) versammelt hatten, so polterte ein Kriegsmann durch die Tür herein... Ich sage er polterte herein, die linke Hand auf eine Krücke stützend, erzählend, er sei ein paar Meilen vor Königsberg mit seinem Schlitten umgeworfen und habe eine kaum heilende Wunde an der Hüfte wieder aufgerissen...“ Nachdem Stein ihn herzlich begrüßt hatte, wies er Barnekow an, sich auszuruhen und bat Arndt mit einem Chirurgen nach dem Rechten zu sehen. Später übergab Arndt Barnekow etwa 4000 Taler in Silber und Gold (!). Diese bedeutende Summe war für ihn in Russland als Zeichen des Dankes und der Anerkennung gesammelt worden. Auf Arndts Ermahnung das Geld gut einzusetzen entgegnete von Barnekow: „Das wollen wir, ein paar schöne Pferde und eine neue Ausrüstung, das Übrige im Beutel für frohes Leben!“ Arndt beschrieb den Umgang Barnekows mit Geld als relativ unbefangen, was nicht heißen soll, dass er es nicht leiden konnte, aber in Gesellschaft und im Spiel fügte es sich wieder in den Geldkreislauf ein.
Nach den Freiheitskriegen trat Barnekow wieder in preußische Dienste ein und heiratete. Als zärtlicher Familienvater wandte er sich nun aber auch der Poesie zu, schrieb Dramen und Lustspiele. Letztere ließ  der preußische König Friedrich Wilhelm nicht nur vorlesen, sondern auch aufführen. Barnekow soll übrigens auch ein Tagebuch geführt haben. Dieses könnte noch einiges mehr über den Haudegen und Kosakenführer erzählen, der auch als „das personifizierte Ungewitter ohne Zügel und Zaum“ beschrieben wurde.        

https://de-de.facebook.com/sas.sassnitz.am.sonntag

*„Pour le Merite“ (dt.„Für das Verdienst“) – der durch Friedrich II. gestiftete Orden galt als bedeutendste Auszeichnung, die eigentlich nur einmal (!) vergeben werden durfte.