Donnerstag, 13. September 2012

Ein Rundblick von der St. Marienkirche in Stralsund

Da wir an der Küste keine großen Berge zu besteigen haben, mussten wir unsere Aussichtspunkte als Zweckbauten erst schaffen. So entstanden in der Vergangenheit eine Vielzahl von Bauwerken, die noch heute zum Blick über die Insel einladen. Einige möchten wir Ihnen gerne vorstellen.
Zu den ungewöhnlichsten Aussichten über die Insel Rügen lädt die St. Marienkirche ins benachbarte Stralsund ein. Von 1360 bis 1380 nach dem Vorbild der Lübecker Marienkirche erbaut, galt das Gotteshaus mit seiner damals gotischen Spitze von 151 Metern zwischenzeitlich sogar als das weltweit höchste Gebäude (1625-1647). Diesen Rekord beendete allerdings ein Blitzschlag. Davon ließen sich die Stralsunder aber nicht beirren und 1708 hatte die Kirche auch wieder eine neue Spitze. Heute gilt sie als Meisterwerk der Spätgotik.
Für eine kostenfreie Besichtigung steht das Bauwerk von April bis Oktober jedermann zwischen 9.00 und 18.00 Uhr offen. Bewundern lassen sich nicht nur gotische Gewölbemalereien, sondern auch Gemälde und Grabkapellen.
Zu den bekanntesten Fragen zählt aber diese: „Wo geht es denn eigentlich auf den Turm?“ Lassen Sie sich dazu ruhig leiten, eine Führung empfiehlt sich. So erfährt man alles aus der Geschichte, kann Fragen stellen und besucht gemeinsam Gewölbe und Aussichtsturm. Kleinen Gruppen (ab 5 Personen) finden sich in der Regel durch die Nachfrage von selbst. Auch wenn die Kosten bei 8,00 EUR (ermäßigt 6,00 EUR) liegen, werden Sie schnell von einer guten Investition überzeugt. Wer auf die Führung verzichten möchte, zahlt für den reinen Aufstieg 4,00 EUR (Kinder die Hälfte).
Dann geht es los. Doch die Steinstufen in die Turmspitze – wir zählten 226 (!) –  scheinen uns endlos. Zwischenzeitlich rasten wir immer wieder kurz, wenn sich der Blick durch ein Fenster bietet. Die Freude über die letzte Steinstufe währt leider nur einen Moment. Schon geht es weitere 119 Holzstufen im Dachstuhl hinauf. Oben angekommen bietet sich von einer Plattform im Turm nicht nur ein phantastischer Blick über die Stralsunder Altstadt, wo die Autos und Menschen so groß wie Spielzeuge scheinen. Ein herrliches 360-Grad-Panorama mit Fernblick über die pommersche Küste ist der Mühe eigentlicher Lohn. Wir lassen ihn über Rügenbrücke und Rügendamm zur Insel Rügen streifen. Bei diesen gewaltigen Eindrücken bleibt einem nur inne halten und genießen.
Für den Abstieg hat man sich übrigens etwas Pfiffiges ausgedacht: Da man einen anderen Seitenturm für das Heruntergehen nutzt, kommt man sich mit den aufsteigenden Gästen nicht ins Gehege. Alles in allem eine gute Empfehlung für die Hansestadt Stralsund. Geschäfte laden zudem noch zu einem abschließenden Einkaufbummel ein.

Weitere Informationen:
Führungen finden dienstags 15.00 Uhr, donnerstags 15.30 Uhr statt
oder nach Vereinbarung unter Telefon 0172 - 3125491