Dienstag, 4. September 2012

„Pro Patria“

Sicher kennen Sie die Serien „Ein Bayer auf Rügen“ oder „Hallo Robbie“. Zu den frühesten Filmproduktionen, die auf der Inseln Rügen realisiert wurden, zählt aber ein Stummfilm der deutsche Filmgeschichte schreiben sollte...

Rügen. (SAS) Bereits im Jahre 1910 – das war noch sieben Jahre vor Gründung der UFA (!) - machte sich eine Film-Crew der 1898 gegründeten Deutschen Mutoskop- und Biograph GmbH auf den Weg nach Rügen. Die Firma war damals eine der bedeutendsten Filmproduktionsfirmen in Berlin. Nachdem sie sich das Wort „Kinematograph“ als Warenzeichen eintragen hatte, errichtete sie 1904 im Berliner Villenvorort Lankwitz das erste große Gebäude, das nur der Filmfabrikation diente.
Auch auf Rügen sollte man deutsche Filmgeschichte schreiben, denn im Hafen von Sassnitz lag eines der ersten sechs Unterseeboote der Kaiserlichen Marine. Es bot den Rahmen für den ersten deutschen U-Boot-Film „Pro Patria“. Auch wenn die 238 abgedrehten Filmmeter im 35-mm-Format nur eine begrenzte Handlung bieten, so erzählen sie uns doch eine anregende Geschichte: Der Hauptdarsteller des Streifens wird, statt sich in einem Duell zu messen, auf ein U-Boot abkommandiert, das – wie könnte es anders sein? - untergeht. „Für´s Vaterland“ – wie die wörtliche Übersetzung des Filmtitels lautet.
Ein Blick auf die Besetzung der Film-Crew lohnt aus verschiedenen Gründen: Die Regie führte der heute zu Unrecht vergessene Pionier des europäischen Films Charles Decroix. Ausgestattet mit künstlerische Inspiration und technischem Know-how lernte er im Streifen „Pro Patria“ übrigens seinen Assistenten Carl Wilhelm an, der später einmal zu den vielbeschäftigten Regisseuren der Stummfilmzeit zählen sollte. Auch der Schauspieler Leo Peukert ist erwähnenswert, denn „Pro Patria“ ist der Beginn einer Schauspiel-Karriere mit über 160 Filmen – herausragend die populäre Leo-Filmreihe und Dreharbeiten mit Asta Nielsen. Mit ihm gemeinsam vor der Kamera standen Rudolf del Zopp und Fritz Spira. Letzterer ist vielen heute wahrscheinlich eher ein Begriff durch seine Tochter Steffi Spira, eine bekannte DDR-Schauspielerin.
Interessant ist, dass 1910 auch der Filmstreifen „Der Leuchtturmwärter“ in Sassnitz gedreht wurde. Wie der Zusammenhang zwischen beiden Filmen ist, bleibt aber offen. Wurden beide Filme durch die gleiche Film-Crew abgedreht? Wir wissen es (noch) nicht...

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