Donnerstag, 11. Oktober 2012

Der Tod des Wikingerkönigs Olaf Tryggvason

 
Der Wikingerkönig Olaf Tryggvason

Die Geschichte einer (fast) vergessenen Seeschlacht.
Noch weit vor der Eroberung der alten Feste Arkona, 1168 durch die Dänen, waren Rügen und die pommersche Küste - mit seinem strategisch wichtigen Mündungsgebiet der Oder - Schauplatz bedeutender Machtkämpfe um die Vorherschafft im Ostseeraum. Im Westen suchte das römisch-deutsche Kaiserreich nach mehr Einfluss, im Norden kämpfte das wikingerzeitliche Dänemark unter Sven Gabelbart (986-1014) um die Behauptung der Hegemonie der drei skandinavischen Königreiche und im Osten suchte der Polenherzog Boleslaw I. – der in den nordischen Sagas „Burisleif“ genannt wurde – nach einer Ausdehnung seines Reiches.
So versuchte auch Olaf I. Tryggvasons, „der strahlendste Held der norwegischen Wikingerzeit“, seine Machtansprüche im pommerschen Raum mit dem Eindringen in „Jumne“ – (Wollin) auch „Jumneta“ oder „Julin“ genannt – zu unterstreichen. Basis für diesen Vorstoß sollte eine starke Flotte von (vermutlich) elf Langschiffen und 500 Kriegern sein, die nach verschiedenen Quellen im Jahre 1000 (wahrscheinlich Frühjahr – Anm. d. Red.) zu dieser Expedition aufbrach.

Historische Darstellung

Die Vorgeschichte des sich mit dem dänischen König Sven Gabelbart anbahnenden Konflikts liegt allerdings seit Langem im Dunkeln. Die „Historia Norvegiae“ aus dem Jahre 1180 berichtet, „...weil dieser seiner Schwester Thyra, Olafs Gemahlin die Insel Seeland vorenthält, die er als Heiratsgut versprochen hatte...“ Dem widerspricht die Darstellung in der „Historia de Antiquitate Regun Norvagiensium“ von 1178/79. Sie beschreibt, dass der König Sven von Dänemark „... im fünften Jahre der Regierung Olaf Tryggvasons gegen diesen den Krieg eröffneten und ihn... ...unvorbereitet trafen.“ Gestützt wird diese Aussage durch die Berichte in der „Fagurskinnasaga“ von 1225/35: „...als er (König Olaf Tryggvasons – Anm. d. Red.) nach glücklich verlaufender Verhandlung mit Burisleif zurückfährt, wird er bei der Insel Svold an der pommerschen Küste, wo die Verbündeten sich in einer Bucht in den Hinterhalt gelegt hatten, überfallen und zum Kampfe gezwungen.“ Im Vorfeld gab es dazu einen Verrat auf Seiten Olafs Tryggvasons durch Jarl Sigvald. Denn nach der „Eyrbyggiasaga“ von 1221/25 „unternahm er es, den König Olaf Tryggvason in die Hände des Sven und seiner Verbündeten zu liefern, und es gelang ihm in der Tat...“  
Nach der norwegischen „Agrip“, einem Geschichtsbuch, lauerte hinter der Insel Svold eine vereinigte dänisch-schwedische Seestreitmacht mit 82 Schiffen. Auch Snorri Sturluson (1179-1241) weiß in seiner „Heimskringla“ zu berichten: „Der Dänenkönig Sven und der Schwedenkönig... ...und der Jarl Erik waren nun da mit ihrer ganzen Streitmacht. Es war schönes Wetter und heller Sonnenschein. Es gingen nun die Herrscher alle auf den Holm (die Insel Svold – Anm. d. Redaktion) mit großem Gefolge, und sie sahen, wie
eine große Menge (Norweger und ihre Verbündeten) auf die See hinaussegelte.“   
Zunächst ließ man den größten Teil der Flotte passieren. Als jedoch das gewaltige Königsschiff „Omrinn Lange“ („Lange Schlange“ oder Langer Wurm“ – Anm. d. Red.) auftauchte, dass von Olaf Tryggvasons selbst gesteuerte wurde und durch ein Täuschungsmanöver Jarl Sigvalds auf die Insel zulief, kamen alle Drachenschiffe aus der Deckung, kreisten das Schiff des Königs ein und forderten ihn zum Kampf. Sigvald aber zog sich mit den Schiffen der Verbündeten zurück und überließ König Olaf Tryggvason seinem Schicksaal. Binnen kürzester Zeit fielen Olafs Krieger den Gegnern zum Opfer. Nachdem sie geentert  und der letzte Widerstand zusammengebrochen war, sprangen König Olaf, sein Bruder, Thorkel, sowie sein Marschall, Björn, in voller Rüstung über Bord und gingen unter. Durch den freiwilligen Todessprung des erst 31-jährigen Olaf Tryggvason, den legendären „Königssprung“, war die Schlacht entschieden. In dem Gedicht „Noregs konungatal“ heißt es, „...die Stelle, wo Olaf fiel, wird seitdem Svoldr vag genannt.“   
Umstritten ist der genaue Ort des Seegefechtes aber bis heute. Der Begriff „Svoldr“ begegnet uns in der Geschichtsschreibung sowohl als Insel, als auch als Bucht, als Fluss und als Hafen. Sicher ein Grund für die Irritationen. Während einige deutsche und dänische Forscher bei der Verortung die Greifswalder Oie oder die Inseln Riems, Koos und Ummanz favorisieren, spricht einiges für die Insel Vilm, südlich von Rügen. Der Autor Lutz Mohr führt 1993 in seinem Artikel „Zur Wikinger-Königsschlacht an Pommerns Küste am 9. September 1000“, erschienen in den „Heimatheften für Mecklenburg-Vorpommern“, als Begründung für diese Annahme u.a. zu Recht die geografische Situation an. Sowohl die Größe der bewaldeten Insel, Ausdehnung und die strategische Landabdeckung gegen Einsicht, als auch die Wassertiefe boten einer großen Anzahl von Wikingerschiffen eine optimale „Warteposition“ für einen Hinterhalt.
So endete das Leben des Wikinger-Königs Olaf Tryggvasons wahrscheinlich doch mit einem „Königssprung“ vor der Insel Rügen. Das Schiff des Königs, „Omrinn Lange“, ging übrigens weder unter, noch wurde es zerstört. Als Kriegsbeute fiel es dem neuen norwegischen König Jarl Erik Haakonsson zu, der mit seiner „Bardi“ das Schiff geentert hatte. Nach dem Schweden Qxenstierna diente es als späteres Vorbild für zwölf „Admiralsschiffe“, die man zwischen 1000 und 1263 bauen ließ.   
  
Fand das Seegefecht vor der Insel Vilm statt? Einiges spricht dafür...