Samstag, 20. Oktober 2012

Theodor Billroth (1829-1894)

„Doctor medicinae universalis“

Rügen. (SAS) Diesen Titel gab ihm die „Berliner Klinische Wochenschrift“ in ihrem Nachruf im Februar 1894, denn „er war der jeder Phase unserer Wissenschaft mit regen Interesse folgende Forscher, er war der geistreiche, kühne und mutige Denker, der der Welt imponierte“.
Er selbst schreibt: „Ich bin freilich in Pommern geboren, doch von schwedischem Blut beiderseitiger Großeltern mit französischem urgroßmütterlichen Einschlag, ...ein sonderbarer Mischling, im Vaterlande Ernst Moritz Arndts gezüchtet und erzogen.“
Doch wer oder was war Theodor Billroth wirklich? Ein Blick in das Taufregister der Bergener Marienkirche verrät am 26. April 1829 die Geburt eines Kindes namens Christian Albert Theodor Billroth. Wenden wir uns also dem berühmten Chirurgen, kühnen Denker und großen Rüganer zu und betrachten die Stationen eines rastlosen Lebens im Dienste der Wissenschaft.
Sein Geburtshaus steht noch immer in der ehemaligen Klosterstraße in Bergen. Heute trägt sie jedoch seinen Namen: Die „Billrothstrasse“. Als 1. Kind des Diaconus Carl Theodor Billroth und seiner Frau Christina – erblickt Theodor Billroth hier das Licht der Welt. Doch bereits 1832 verlässt Familie Billroth  die Insel Rügen in Richtung pommersches Festland. In Reinberg übernimmt Vater Billroth die Pfarrstelle. Als er 2 Jahren darauf an einer Infektion verstirbt, zieht Mutter Billroth mit ihren Kindern zum Großvater ins benachbarte Greifswald. Theodor sieht sich dabei selbst „als der wenig Gescheite, der schlechteste, miserabelste „Schüler unter seinen Geschwistern an. Sein Herz schlägt für die Musik. Und vielleicht wäre er auch nach 1848 – er hatte mit Mühe und Not sein Abitur geschafft – Musiker geworden. Doch zum Freundeskreis des Großvaters zählte der Chirurg Wilhelm Baum. Er weckte Billroths Interesse an der Medizin. Nach Studien in Greifswald und Göttingen, folgte er seinem Lehrer auch nach Berlin, wo er 1852 promovierte. Hier eröffnete er auch nach einer kurzen Militärzeit 1853 seine erste Praxis. Bedingt durch den mäßigen Verdienst, nahm er eine Stelle als Assistenzarzt in der Chirurgischen Klinik von Prof. v. Langenbeck an und begann daneben zahlreiche Aufsätze für Fachzeitschriften zu verfassen. 1858 heiratet er Christel Michaelis. 1859 wird er als Professor für Chirurgie an das Kantonhospital nach Zürich berufen, wo er zu Ostern 1860 seine Tätigkeit aufnimmt. Auf der Höhe seiner Schaffenskraft folgt er 1867 einer Berufung als Direktor der Chirurgischen Klinik in Wien. Während des Deutsch-Französischen Krieges meldet er sich freiwillig zum Lazarettdienst und sammelt so u.a. zahlreiche Erfahrungen im Bereich der Wundinfektion. Sein Wissen gibt er auch als Lehrender weiter. Billroth führt neue Behandlungsmethoden ein und wertet Rückschläge und Probleme ehrlich aus. Neben der operativen Behandlung von Speiseröhren- und Kehlkopfkrebs, gilt sein Interesse auch Schilddrüsenerkrankungen. Besondere Erfolge erzielt er aber auf dem Gebiet der chirurgischen Eingriffe am krankhaften Magen- und Darmtrakt. Diese sind so wegweisend, dass Magenresektionen nach den Methoden Billroth I und Billroth II bis heute in modifizierter Form Anwendung finden. 1888 wählte ihn die Gesellschaft der Ärzte in Anerkennung seiner Leistungen zu ihrem Präsidenten. Infolge der Überarbeitung – sein erster Zusammenbruch ist 1887 – werden seine Aufenthalte in St. Gilgen am Wolfgangsee oder an der Adria immer häufiger. Am 6. Februar 1894 verstirbt Theodor Billroth in Abbazia.       

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