Mittwoch, 5. Dezember 2012

„Der Tangospieler“

Sicher kennen Sie die Serien „Ein Bayer auf Rügen“ oder „Hallo Robbie“. Zu den interessantesten Verfilmungen nach 1989  zählte aber zweifelsohne ein Film nach einer Erzählung von Christoph Hein.
Zutiefst menschlich in der Darstellung der Charakterschwäche seines Filmhelden Dallow und authentisch in der Aufarbeitung der bestehenden Verhältnisse in der DDR präsentiert sich der Filmstreifen „Der Tangospieler“. Inhaltlich folgt er dabei der im Mai 1989 (!) vorgestellten Erzählung von Christoph Hein. Die Handlung: Hans-Peter Dallow, der wissenschaftliche Oberassistent, wird „im Namen des Volkes“ zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Sein Vergehen: Bei einer Kabarett-Premiere war er kurzfristig am Klavier eingesprungen und spielte den Tango „Adios Muchachos“. Sein Problem: Die Sänger, die er am Klavier begleitete, machen mit dem umgedichteten Text führende Politiker verächtlich.
Als er 1968 nach der Verbüßung seiner Haftstraße schließlich entlassen wird, ist er nicht mehr bereit sich den Mechanismen zu beugen. Der innerlich verletzte und zugleich verunsicherte Dallow findet aber auch keine neue Anstellung. Stattdessen belästigen ihn zwei Männer - Christoph Hein nennt sie in seiner Erzählung sinnigerweise „Herr Müller“ und „Herr Schulze“. Sie machen ihm eindeutige Angebote für eine Zusammenarbeit mit der Staatssicherheit, die Dallow jedoch ablehnt.
Da er auch der Beziehung mit der intelligenten und kritischen Elke nicht gewachsen ist und es ständige Konflikte mit seinen Eltern gibt, treibt Dallow in eine Isolation. Nach der Auseinandersetzung mit seinem ehemaligen Richter, gibt es letztlich nur noch einen Ausweg: Mit einem Aushilfsjob verdingt er sich als Saisonkellner in der Gaststätte „Klausner“ auf der Insel Hiddensee. Dort erreicht ihn auch die Nachricht, dass er endlich an die Universität zurückkehren kann. Dallow, zermürbt von der vergeblichen Arbeitssuche, unterschreibt nun einen Vertrag, der seinen Vorgänger in die gleiche Situation bringt, der er gerade mit seiner Unterschrift entronnen ist.
Der mit Michael Gwisdek, als Hans-Peter Dallow, und Corinna Harfouch, als seine Freundin Elke, gedrehte Film entstand 1991 u.a. vor der auch in der Erzählung beschriebenen Naturkulisse Hiddensees. Zu den bekannten Mitwirkenden zählten Peter Sodann und Jaecki Schwarz.