Sonntag, 21. Juli 2013

Beim Boddenschwimmen mit dabei


Die "Stubnitz"

Ein Bericht von Dirk Liedtke

Greifswald. (RO) Nun ist es passiert, ich bin zum ersten Mal Fremd gegangen. Wenigstens bin ich dem Gewässer treu geblieben, denn das Boddenschwimmen findet wie das Vilmschwimmen im Greifswalder Bodden statt.

Und die Distanz ist fast die gleiche: 2,6 km. Der Termin ist einen Monat früher. Vom Wetter her ein Volltreffer. Bei dem knackigen Sommerwetter greifen die Schwimmer eher nach Sonnenmilch als nach Melkfett.
Die schattigen Plätze auf der Südmole in Greifswald Eldena sind gefragt. Hier legte der Greifswalder Turnerbund im Jahr 1921 den Grundstein für das Boddenschwimmen. Der Fluss Ryck mündet an dieser Stelle in die Dänische Wiek, einer kleinen Bucht im Greifswalder Bodden. Gratis zu den 20 Euro Startgebühr ein Finisher-Shirt aus Baumwolle mit Aufdruck: DLRG Ortsgruppe Greifswald, welche das Boddenschwimmen heute organisiert.
Die DLRG ganz vorn mit dabei

Nach der Einweisung setzt uns die Stubnitz nach Ludwigsburg über. Auf dem sonnigen Deck begutachten wir die mit orange-roten Bojen abgesteckte Schwimmstrecke.  Ein Zick Zack Kurs ist nötig, um auf 2,6 km zu kommen.  So werden wir verschiedenen Strömungen ausgesetzt sein. Die See ist bei mäßigem Wind nur leicht bewegt. Und bei 23 Grad Wassertemperatur dürfte es keine Schwerstarbeit werden.


Die Dänische Wiek ist maximal 2,5 km breit, 3 km lang und 4 Meter tief. Ein paar weiße Strände locken Einheimische wie Touristen an. Der Name der Bucht stammt von dänischen Zisterziensermönchen ab, die im Jahr 1199 das berühmte Kloster Eldena gründeten.
 
Der Bodden hat 23 Grad Wassertemperatur
In Ludwigsburg erwartet uns einer dieser kleinen Strände. Im Wasser schimmert grüner Plankton. Aber da sehen wir Freiwasserschwimmer drüber weg und freuen uns, dass es pünktlich losgeht.
Wir laufen vom Strand aus ins Wasser, stürzen uns in die Fluten und hauen tüchtig rein. Klar kollidiert man hier und da, aber mit ein bisschen Rücksicht finden wir gut ins Geschehen. Das Schwimmen ist auf 160 Starter limitiert, was mir jetzt angebracht erscheint.
 
Wir schwimmen geradenwegs in die Bucht. Von Boje zu Boje bis zu einem Bojentor habe ich da die eine oder andere Berührung mit anderen Schwimmern. Aber das ist so, wenn man den kürzesten Weg wählt. Durch das Bojentor hindurch und dann scharf links parallel zu den Seitenufern auf das Ende der Bucht zuhalten.
 
Jetzt ist es um mich ruhiger. Sicher fühle ich mich auch, denn zahlreiche Boote begleiten das Schwimmen. Unter anderem habe ich Organisatoren vom Vilmschwimmen gesichtet. Ja, in der Szene hilft man sich über die eigenen Ufer hinaus.
 
Der Strich der Bojen zieht sich hin, die Arme erschlaffen, Müdigkeit kommt über mich. Plötzlich sind links und rechts und vor mir wieder Schwimmer. Ich halte eine gute Weile mit ihnen mit, doch kurz bevor wir auf Höhe der Flussmündung sind, reihe ich mich hinter ihnen ein.
 
Wir biegen rechts ab und schwimmen die letzten paar hundert Meter direkt auf die Flussmündung des Ryck zu. Unter den Zuschauern auf der Südmole ist auch meine Frau Gabi. Sie sagt später, dass ich erschöpft aussah, als ich in den Ryck eingeschwommen bin. Naja, ich kann es auch auf die Gegenströmung des Flusses schieben…
 
Aber ich schwamm so stark, dass mir auf den letzten Metern die Badekappe vom Kopf glitt. Die Zeit wurde im Wasser genommen, in dem wir den am linken Handgelenk mitgeführten Chip gegen eine der beiden über dem Wasser angebrachten Aufnahmescheiben hielten. Wir stiegen entspannt über die Leiter aus dem Wasser, ließen uns das gelbe Handtuch um die Schulter legen und einen Becher Tee reichen.
 
Meine Zeit von 1h7min24sec war vergleichsweise langsamer als beim Vilmschwimmen. Aber hier waren es hundert Meter mehr, vielleicht war die Gegenströmung stärker oder bin ich noch nicht so gut in Form? Bis zum Vilmschwimmen sind es ja noch fünf Wochen…


Erst einmal eine Stärkung
Nach dem Schwimmen lösten die Boddenschwimmer ihre Essenmarke für eine Portion Nudeln mit Wurstgulasch ein. Ein tolles Erlebnis und die Nachstimmung hielt sich auch bei der brütenden Mittagshitze eine ganze Weile.
 
Wer in Greifswald noch wollte, besuchte nach der Siegerehrung das Hafenfest in Wieck, gleich am Rande der Südmole an der Mündung des Flusses Ryck.        
 
Es gibt ja in Mecklenburg Vorpommern den Allrounder-Cup im Freiwasserschwimmen. Wer an drei Schwimmen teilnimmt, bekommt schon Bronze. Gold gibt’s für fünf. Ist auf jeden Fall eine Überlegung wert und toller Anreiz für die Schwimmer.  Die Auswertung dazu gibt es am 24. August beim letzten Wertungsschwimmen in Lauterbach. Also ich sag denn mal, spätestens bis zum Vilmschwimmen.