Dienstag, 2. Juli 2013

„Das unsterbliche Herz“

Heinrich George als Peter Henlein
Seit über hundert Jahren werden auf den Inseln Rügen und Hiddensee, sowie in der Hansestadt Stralsund Filme gedreht. Eher unbekannt ist, dass auch der Historien-Film „Das unsterbliche Herz“ mit einer Filmszene auf Rügen beginnt.

Dieser Filmstreifen blickt zurück in das 15. Jahrhundert: Der Geograph Behaim ist im Begriff die Vermessung der Welt auf einem Globus festzuhalten, als das von ihm geführte Schiff im Meer – natürlich in den Fluten der Ostsee vor Binz – versinkt.
So beginnt ein Film, der versucht, die Erfindung der Taschenuhr – das „Nürnberger Ei“ – durch den Kunstschlosser Peter Henlein als Wettlauf mit der Zeit neu zu erzählen. Die Idee dazu ist simpel, denn der Geograf Behaim wird nach dem Untergang des Schiffes vom Schiffseigner verklagt. Behaim verwaist allerdings darauf, dass die Navigation eines Schiffes ohne Anhaltspunkte unmöglich ist. Dazu hätte es  einer Uhr bedurft, die auch auf Schiffen einsetzbar wäre. Da die Zeitwerke damlas allerdings alle nur über Pendel verfügen, blieb Behaim nur die Orientierung nach dem Stand der Sonne. Nachdem Henlein zu Gunsten von Behaim interveniert, wird der Geograph freigesprochen. Allerdings wird eine neue Expedition an die Existenz einer seetauglichen Uhr geknüpft, an dessen Erfindung sich Henlein machen sollte. Dramatisch: Dem Kunstschlosser sitzt die Zeit im Nacken, denn durch einen Unfall mit einem neuartigen Gewehrgeschoss, welches aus zwei zusammengeschweißten Kugeln bestand, wurde Henlein in der Brust getroffen. Aus Unwissenheit entfernte der Arzt allerdings nur eine der beiden Geschossteile, so dass die andere nun Henleins Leben bedroht und ihm für die Erfindung einer Taschenuhr nur begrenzt Lebenszeit verbleibt...
Eine Empfehlung dieses Films ergibt sich aus verschiedenen Gründen. Regional betrachtet ist natürlich schon der Untergang des Schiffes vor Binz, der einem Vergleich mit ähnlichen Filmszenen seiner Zeit standhält, sehenswert. Außerdem ist die Besetzung der Rolle des Kunstschmieds Peter Henlein mit dem pommerschen Volksschauspieler Heinrich George, über den gerade ein Film unter Mitwirkung seines Sohnes Götz George entstand, perfekt gelöst. Zusätzlich ergibt sich ein politischer Aspekt, denn die Zusammenarbeit mit Kristine Söderbaum und ihrem Mann, dem Regisseur Veit Harlan, wird sich in dem Film „Kolberg“ fortsetzen. Der gilt als nationalsozialistischer Propaganda-Film und prägt die Sichtweise auf die Mitwirkenden bis heute.  

("á la carte" August / September 2013)