Freitag, 2. August 2013

Arnold Ruge (1802-1880)

Der Rüganer Arnold Ruge
Der demokratische Idealist
„Wer eine Nation unterdrückt, ist ein Feind aller Nationen.“ (Arnold Ruge)

Viele von denen, die an der Stätte seiner Geburt in Bergen vorüber gehen, tun es hastig. Der Alltag – das jetzt und hier – bestimmt ihren Schritt. Gerade deshalb wollen wir uns die Zeit nehmen, zu einer näheren Betrachtung des Lebensbildes von Arnold Ruge. Doch wer war dieser Rüganer?
Heute verbinden wir mit dem Namen Ruge vielleicht noch die TV-Moderatorin Nina Ruge. Doch da sie eine Ur-Ur-Urenkelin von Arnolds Bruder, Ludwig, ist, knüpft sich schnell der Weg in die Geschichte...
Geboren wurde Arnold am 13. September 1802 im Hause seiner Großeltern. Seine Kindheit verbrachte er auf dem Gut in Bisdamitz, das sein Vater, Christoph Arnold Ruge, gepachtet hatte. Nachdem dessen Bewirtschaftung aus finanziellen Gründen aufgegeben werden musste, erfolgten - durch die Anstellung des Vaters - bedingte Umzüge nach Bergen und später nach Tribsees.
So wurde Arnold Ruge zunächst von seine Eltern unterrichtet, dann erfolgte eine Unterweisung in der Kantorschule von Bergen. Prägend sollte jedoch die folgenden Jahre des Lernens bei Pastor Gildemeister in Langenhanshagen und im Gymnasium in Stralsund werden. Statt eines sich anschließenden Studiums der Rechtswissenschaften, wie es ihm durch den Vater angeraten wurde, entschied sich der junge Ruge zunächst für Vorlesungen der Philosophie in Berlin. Anschließend besuchte er Vorlesungen zur Theologie,  wandte sich aber schließlich wieder der Philosophie, sowie der Geschichte und der griechischen Sprache zu. Als Mitglied der nicht erlaubten Buschenschaft „Germania“ setzte er sich für die Einheit und Freiheit Deutschlands ein. Dies war damals Grund genug für eine Verurteilung wegen Hochverrats. Einem Jahr Untersuchungshaft in Berlin folgte der Antritt einer 15-jährigen Festungshaft in  Kolberg. Hier traf er u.a. auf Ludwig Jahn, dem „Turnvater Jahn“. Auch er war wie Arnold Ruge, Ernst Moitz Arndt und Fritz Reuter ein Opfer der sogenannten „Demagogenverfolgung“ – einem Mittel zur Unterdrückung der wachsenden Freiheitsbestrebungen im Deutschen Bund.          
Am 1. Januar 1830 vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. begnadigt, versuchte er wieder in Tribsees „Fuß zu fassen“. Da dies angesichts seiner Vergangenheit wenig Aussicht auf Erfolg hatte, unterrichtete er – nach erfolgreicher Promotion – in Halle die Fächer Griechisch, Latein und Deutsch. Daneben wandte er sich der hegelschen Philosophie zu und wurde so zu einem der führenden Köpfe der vorrevolutionären Zeit (1835-1845). Durch Heirat zu Wohlstand gekommen, widmete er sich nun ganz seiner literarischen Arbeit. Erfolge wie die der „Halleschen Jahrbüchern“ machten ihn populär, allerdings auch angreifbar. So folgten Wohnortwechsel nach Dresden, später nach Paris. Hier lernte er u.a. Karl Marx kennen und gab die „Deutsch-Französischen Jahrbücher“ heraus. Da sich Ruge jedoch als bürgerlicher Demokrat verstand, endete die Zusammenarbeit 1843. Nach seiner Ausweisung aus Paris ging er zunächst in die Schweiz, dann nach Leipzig. Hier gründete er eine Verlagsbuchhandlung und wurde 1848 von der revolutionären Stimmung mitgerissen. Als Abgeordneter der Paulskirche formulierte er einen Menschenrechtskatalog, der bis heute nichts an Aktualität eingebüßt hat. Der Entwicklung war er damit jedoch zu weit voraus. Enttäuscht von der politischen Entwicklungen, die u.a. zur Beschlagnahmung seiner Druckerei in Leipzig und dem späteren Verbot seiner Zeitung „Die Reform“ führten, ging er mit seiner Familie nach England ins Exil. Seinen Wohnsitz hatte er in Brighton. Anmerken wollen wir noch, dass Bismarck die Zahlung eines Ehrensolds von jährlich 1.000 Reichsmark an Ruge veranlasste. Obgleich der Kanzler die Revolution von „unten“ immer ablehnte, war er vielen Vorstellungen Ruges gegenüber aufgeschlossen. Mit einem Unterschied: Die Revolution wollte er von „oben“ machen.