Mittwoch, 2. Oktober 2013

August Carl Friedrich Jasmund (1859-?)

Ein Rügener Baumeister im Osmanischen Reich
Ob in Schweden, Russland oder Afrika. Wo die in dieser Reihe vorgestellten Rüganer auch waren, sie hinterließen deutliche Spuren. In der Heimat vielfach vergessen, wollen wir hier an Sie erinnern.

August Carl Friedrich Jasmund wurde am 15. September 1859 in Sagard als drittes Kind des königlichen Steuererhebers August Christian Friedrich Jasmund und seiner Frau Johanne geboren. Er besuchte das Königliche Pädagogium in Putbus und fiel hier früh durch seine Begabung im Zeichnen auf. Später studierte er an der Königlichen Bauakademie in Berlin und – für ein Sommersemester 1878 – an der Königlich Bayrischen Technischen Hochschule in München.
Nach seiner Staatsprüfung als Bauführer wurde er 1882 in das Preußische Ministerium für öffentliche Arbeiten berufen und kurz darauf als Regierungs-Bauführer mit dem Neubau des Kultusministeriums in Berlin beauftragt. Nun folgten verschiedene Aufträge – u.a. in Bad Oeynhausen. 1887 reiste er für 14 Tage zum Internationalen Hygienischen Kongress für Bauwesen nach Wien, wo sein Entwurf für den Neubau eines Kinderhospitals präsentiert wurde.
Am 3. Januar 1888 reichte der gerade zum Königlichen Regierungsbeaumeister ernannte August Jasmund ein Urlaubsgesuch ein, um eine Studienreise in den Orient, nach Griechenland und Italien zu unternehmen. Seine erste Station war dabei Istanbul (ehem. Konstantinopel), von wo er mehrere Reisen durchführte. Jasmunds Interesse galt vor allem osmanischen Denkmälern und den Bauten der Byzantiner, die vor der Eroberung von Konstantinopels durch das osmanische Reich entstanden. Daneben besuchte er aber auch Edirne, die alte Residenz der osmanischen Sultane, Bergama (Pergamon) und Athen.


Auf den Wunsch des Bau- und Betriebsdirektors der Orientalischen Eisenbahnen, H. Sarrazin, beteiligte er sich daneben an einem Entwurfs-Wettbewerb für ein neues Bahnhofsgebäude in Istanbul, welchen er gewann. Da er während seines Aufenthalts ein Angebot des Sultans erhalten hatte, in den osmanischen Staatsdienst überzutreten, reiste er über Italien nach Deutschland zurück, um ein erneutes Urlaubsgesuch einzureichen. Die zunächst für 17 Monate geplanten Anstellung wurde mehrmals verlängert, so dass er, nicht nur als Architekt Seiner Majestät des Sultans und Technischer Beirat der Ottomanischen Regierung, sondern auch als Professor der Ingenieur-Schule und Kunstakademie tätig werden konnte. Entstanden sind im Laufe der folgenden Jahre eine Vielzahl öffentlicher und privater Bauten, sowie Denkmäler. Da sich während die Preußische Regierung ihren Baumeister 1894 zurückberief, ein großes Erdbeben ereignete, wurde die Beurlaubung nochmals verlängert. Der Grund: Jasmund, wurde vom Sultan zum Präsidenten der Kommission zur Wiederherstellung der Bauten eingesetzt. Während der Jahre im Osmanischen Reich konnte der Rüganer vielfältige berufliche und geschäftliche Kontakte zu hohen türkischen Kreisen, wie zu Ragip Pascha, aufbauen. Dadurch entstanden weitere Planungen für Geschäftshäuser und Dienstgebäude.

1897, im Alter von 38 Jahren, kehrte Jasmund schließlich nach Deutschland zurück.. Doch bereits 1899 trat er endgültig aus dem deutschen Staatsdienst aus, um erneut – auch aus finanziellen Gründen - in den Dienst der Osmanischen Regierung einzutreten. Nun entstanden weitere Bauwerke, u.a. der Palast von Ragip Pascha (1907) in Bostanci und  das Gebäude der Deutschen Orient Bank A.G. (Germania Han, etwa 1910) in Sirkeci. Für letzteres nimmt man übrigens an, das die Gestaltung durch den Ernst-Moritz-Arndt-Turm auf dem Rugard inspiriert war.
Leider verlieren sich die Spuren des Rügener Baumeisters August Carl Friedrich Jasmund, der zu den bedeutendsten deutschen Architekten im Osmanischen Reich zählte, mit zunehmendem Alter. Dadurch bedingt ist bisher unklar, wann er und wo er starb oder wie er aussah. Diese Erkenntnisse bleiben daher späteren Untersuchungen vorbehalten.   

("á la carte" Oktober / November 2013)