Montag, 2. Dezember 2013

Konfrontation mit den Verschiedenheiten

Am 11. Dezember 2013 singt und erzählt Hermann van Veen um 20 Uhr von Weihnachten in der "Alten Brauerei" in Stralsund. Im Vorfeld nutzten wir die Möglichkeit zu ein paar Nachfragen.
Immer wieder gern gesehen: Herman van Veen
Herr van Veen, bereits zu DDR-Zeiten waren Sie einem großen Publikum bei uns bekannt oder sind durch Veranstaltungen, wie dem "Festival des politischen Liedes", bei den Menschen bekannt geworden. Gibt es für Sie noch Unterschiede, ob ein Auftritt in Hamburg oder in Stralsund stattfindet?

Herman van Veen: Brüssel ist verblüffend anders als Antwerpen, und Brügge und Gent sind verschiedene Welten. Den Haag ist eine komplett andere Stadt als Rotterdam, dadurch wird auch die jeweilige Vorstellung anders. New York  ist nicht mit Boston zu vergleichen. Hamburg und München sind wie Jimmy und Schorsch. Das macht unsere Arbeit so faszinierend, diese Konfrontation mit den Verschiedenheiten und was das dann mit dem Repertoire macht.
Nun drücken Sie sich als Künstler nicht nur mit ihrer Stimme, sondern auch mit Bildern aus. 2011 waren diese u.a. in der Ausstellung "Spiegelungen" - ihre künstlerische "Antwort" auf Friedensreich Hundertwasser - in der Kulturkirche St. Jakobi in Stralsund zu sehen. Was bewegte Sie dazu, mit dem Malen zu beginnen?
Herman van Veen: Es war ein trüber Sonntagnachmittag  2005, als ich auf den Dachboden ging und das alte Grammophonplattenköfferchen öffnete, in welchem sich die Habseligkeiten meines verstorbenen Vaters befanden. Ausweise, Uhren, Pfeifen, Diplome, Orden zwischen Briefen, ein Schreiben von Prinz Bernhard, worin er meinem Vater für sein Engagement bei wichtigen Diensten dankt, das er zum Wohle unseres Landes gezeigt hatte. Mit gefalteten Händen schaute ich auf das, was da von meinem Vater vor mir lag. Mein Blick fiel auf meine Hände. Hände, die verblüffend den Händen meines Vaters gleichen. In Gedanken fragte ich die Hände: ‘Was würdet ihr jetzt tun, wenn ihr die Hände meines Vaters wäret?’ ‘Malen’, sagte etwas in mir.
Hab also Leinwände gekauft, Acryltuben, Spraydosen, Pinsel, Messer, Bürsten, Socken, T-Shirts und bin ans Werk gegangen, Licht in Farben zu fangen, so wie wenn man Schnee bewahrt.
Herr van Veen, Sie sagten einmal sinngemäß, daß Ihr Programm bei jedem Auftritt anders verläuft. Gibt es trotzdem  etwas, was sich für Ihren Auftritt am 11. Dezember in Stralsund vorhersagen läßt?
Herman van Veen: Unsere Weihnachtsgeschichte heißt 'Das verschwundene Kaninchen und andere Weihnachtsgeschichten'. Wir, also meine Tochter Anne van Veen,  die Gitarristin Edith Leerkes, die Harfenistin Majsa  Koperberg und ich  werden autobiographisch die Weihnachtsgeschichte erzählen und singen. Es kann durchaus sein, daß in der kommenden Zeit Sachen passieren, die so unvermeidlich werden, daß sie einen Platz in der Vorstellung bekommen müssen. Wenn zum Beispiel wissenschaftlich bewiesen wird, daß mein Kaninchen noch lebt.
Und wie werden Sie Weihnachten feiern?
Herman van Veen: Zuhause, mit meiner Familie;  ich nehme mir vor, nicht zu viel zu essen, und das wird nicht gelingen. Ich werde versuchen, meine Eltern nicht zu sehr zu vermissen, auch das schaffe ich nicht. Ich werde mich mit einem Glas Wein zuviel trösten, weil Weihnachten ist.
Wir danken für das Interview.

Mehr Informationen