Sonntag, 2. Februar 2014

Der dekorative Holzbau

Noch heute zu bewundern: Die Strandhalle
Holz ist einer der vertrautesten Baustoffe. Bei den Loggia- (Ausbauhäusern) und Landhäusern der Bäderarchitektur wurde er zu einem der prägenden Elemente. Den Ursachen und Wirkungen wollen wir dieses mal – auch am Beispiel des Ostseebades Binz - nachgehen. 
Zierelement von Max Graef
Wer hat nicht schon einmal bewundernd die Villen der Strandpromenaden betrachtet. Auffallend viele von ihnen wurden durch offenen oder (heute) geschlossenen Balkonen ergänzt. Verzierte Stiele, Riegel, Kopfbänder und Laubsägearchitektur aus Holz sorgen für eine architektonische Note. Sie geben dem ohne dieses „Beiwerk“ wahrscheinlich fade aussehenden Bau erst ein Gesicht und sorgen für entsprechende Vorsprünge und Abwechslung. Ursächlich für die Verwendung von Holz war - ab der Mitte des 19. Jahrhunderts – aber vor allem der Preis. Schon Karl Friedrich Schinkel – einer der bedeutendsten deutschen Architekten – errichtete im Jahre 1835 ein Ausflugslokal in der Stubnitz, welches wir heute als „Schweizerhaus“ bezeichnen würden. Geprägt durch ein weit überstehendes Dach, einen hölzernen Giebel, Bretterverschalungen und Ständerbau, aber auch hölzerne Balkone trug bereits dieser Vorläufer des dekorativen Holzbaus auf Rügen alle Merkmale eines Landhauses, bestechend in seiner Ausführung und  unschlagbar in seinem Baupreis.

Gauben-Entwurf von Max Graef

Auch sein Schüler Friedrich Hitzig, auf Rügen bekannt als Baumeister von Schloß Dwasieden, schrieb 1850 zu den Gründen, weshalb man sich vielfach für den Baustoff Holz entschied: „Der Bauherr, ein Kaufmann und Holzhändler, hatte ein ländliches Grundstück gekauft, auf welchem sich ein aus ausgemauerten Fachwerk mit hohem Ziegeldach erbautes einstöckiges Gebäude befand, welches früher als Gasthof genutzt worden war. Es wurde gewünscht, dass das Äußere des Gebäudes ein malerisches Ansehen erhalten möge, da die Lage desselben romantisch zu nennen ist. Da nun der Besitzer als Holzhändler das Holz als Material am wenigsten kostbar wurde, so schien es in diesen Beziehungen am zweckmäßigsten, für das Äußere den Schweizerhausstil zu wählen.“
Ein weiterer Aspekt wird durch die Arbeiten der Wolgaster Actien-Gesellschaft für Holzbearbeitung (vorm. J. Heinrich Kraeft) angesprochen. Die Zerlegbarkeit ermöglichte – bis hin zum Fertighaus (!) – einen hohen Grad der Vorfertigung. Und so ist es auch nicht verwunderlich, das einige der ersten deutschen Fertigteilhäuser der vorgenannten Firma auch im Ostseebad Binz zu finden (Villa „Undine“) sind.
Villa Undine im Seebad Binz a. Rügen
Zu dem gab es aber ebenso die Möglichkeit, viele Arbeiten selbst vorzunehmen. Das beste Beispiel stellt dafür die Laubsägearchitektur dar, die vor allem am Ausbauhaus – in Binz vielfach ehemalige Fischerhäuser, die mit den Erfordernissen an Unterkünften erweitert wurden und als Verblendung eine Holzloggia erhielten – nachvollziehbar sind. Für die Vielfalt der Formen lieferten die Brüder Max und August Graef als Vorlagenzeichner entsprechende Musterblätter, die sich sogar noch am Haus „Mignon“ (Paulstraße) nachweisen lassen. Nach ihnen konnten die Formen auf das Holz übertragen und mittels Laubsäge durch geschickte Eigentümer oder Angestellte ausgesägt werden.
Leider bleiben die nach 1989 entstandenen neuen Holzloggien vielfach in ihrer Gestaltung, aber auch in ihrer Qualität (so die Kritik einiger Eigentümer) hinter den altgedienten Vorbildern zurück. Dort, wo man sich auf traditionelle Ausführungen besann, hatte man oftmals auch mit dem Baustoff Holz mehr Glück gehabt. Anderseits ist aber der vielfach bereits wieder sichtbare Mangel oft einer unsachgemäßen Pflege oder falschen Konstruktion geschuldet. Gerade bei der Ableitung von Feuchtigkeit und in den Übergängen zum Mauerwerk bedarf es des besonderen Augenmerks. 

Weiterführende Literatur:
„Pommersche Bäderarchitektur“, von W. Schneider & T. Seegert (ISSN 3-9810092-1-5)