Dienstag, 3. Dezember 2013

Otto Fock (1818-1872)


Rückblick auf einen großen Rüganer

 Ein patriotische Publizist und populäre Heimatforscher
Wo die in dieser Reihe vorgestellten Rüganer auch waren, sie hinterließen deutliche Spuren. In der Heimat vielfach vergessen, im Ausland oftmals mehr geschätzt, als im eigenen Land. - Hier wollen wir an Sie erinnern.
Heinrich Otto Friedrich Fock wurde am 29. April 1818 als Sohn eines Oberamtmannes auf der Domäne Schwarbe – auf der Halbinsel Wittow – geboren. Er besuchte das Stralsunder Gymnasium, später die Universitäten in Bonn und Berlin. Sein Plan Theologie-Professor zu werden, musste er allerdings aufgeben – zu revolutionär waren seine Auffassungen den damals führenden Zeitgenossen. Auch an der Universität Greifswald – wo er sein Examen mit bestem Prädikat ablegte – verwehrte ihm die beabsichtigte Habilitation. So ging er ins damals dänischen Kiel, um zu habilitieren und dozierte vor – von ihm begeisterten - Studenten. Doch der deutsch-dänische Krieg riss auch Otto Fock aus seinem Gelehrtendasein. Erst als Kriegsfreiwilliger, dann als Abgeordneter, schließlich als Journalist und Schriftleiter der führenden Zeitung Schleswig-Holstein kämpfte er für die freiheitliche Entwicklung des Landes.
1853 kehrte er jedoch – nach Enttäuschung, sowie körperlicher und geistiger Überanstrengung – als schwerkranker Mann auf den väterlichen Hof zurück. Nach dem Tode seines Vaters siedelte Otto Fock, der unverheiratet geblieben war, zu seiner einzigen Schwester nach Stralsund, in die Heilgeiststraße 70, über. Zurückgezogen widmete er sich nun nur noch seinen heimatgeschichtlichen Forschungen. Sie wurden  Grundlage seines Lebenswerkes „Rügisch-Pommersche Geschichten aus sieben Jahrhunderten“. Den ersten Band dazu, hatte er bereits in Schwarbe vollendet. Er wurde 1861 in Leipzig herausgegeben und in der Öffentlichkeit begeistert aufgenommen. 1862 erschien der zweite Band, 1864 der dritte, 1866 der vierte, 1868 der fünfte, 1872 der sechste. Den siebenten Band (Schlussband), der die Zeit König Karls XII. und die Franzosenzeit behandeln sollte, blieb allerdings unvollendet. Gezeichnet von Krankheit und zusätzlich geschwächt durch einen unglücklichen Fall bei Glatteis – mit der Folge einer schweren Hüftverletzung – war er bis zu seinem Tod an ein qualvolles Krankenlager gefesselt. Die „Stralsundische Zeitung“ berichtete:
„Stralsund, 25.10.1872. Gestern Abend starb hier unser um die heimische Geschichte hoch verdiente Mitbürger Dr. Otto Fock nach langem und schwerem  Leiden...“
Anerkennung erfuhr er noch zu Lebzeiten von der Philosophischen Fakultät Greifswald, die ihn zum Ehrendoktor ernannte. Doch die lange Zeit erhoffte Professur, die ihm Deutschland verweigert und 1870 im Ausland - in Buenos Aires - angeboten worden war, konnte er bereits nicht mehr annehmen.