Donnerstag, 15. März 2012

Wie man sich einen Fisch angelt...

Wenn die Temperaturen ins „Plus“ drehen und die Heringsströme den Strelasund entlang ziehen, findet auch der Fischfang wieder seine Jünger. Angefangen haben sie alle einmal: Die Alten mit geraden biegsamen Ruten aus Birken- oder Wacholderzweigen, selbstgebauten Schwimmern aus Kork und Feder, die Jungen mit gekauften Komplettruten. Dazwischen liegt jede Menge Erfahrung und Veränderung. Ein Blick auf die Lockmittel (in der Angelsprache: Köder) genügt: Wurde früher beispielsweise nach (Erd-) Würmern im Garten gegraben, kann man heute alles kaufen... - Selbst Angel-Führer. Stundenweise, das versteht sich.
Diese bequeme Art und Weise des Umgangs mit dem Fisch und seinem Fang, hat denn auch unter uns Menschen verschiedene Gruppen entstehen lassen. Wer auf Fisch geht, lässt sich in der Regel in zwei Gruppen unterteilen, die Freizeitsportler und die Kauffreudigen.
Letztere haben das „Jagen“ aufgegeben und irren maximal den Schnäppchen aus der Werbung hinterher. Dennoch – auch sie mögen Fisch! Tiefkühlkost, Konserven und Marinaden stehen ganz vorn auf ihren Einkaufszetteln. Kenner wissen warum: Kein anderes Nahrungsmittel besitzt mehr Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente.
Die Freizeitsportler hingegen werden oft missverstanden. Weil sie „in aller Frühe“ oder „erst“ am Abend ihrem Treiben nachgehen, hört man oft die eine oder andere „spitze“ Bemerkung. Sicher aus Unkenntnis, denn der „Stundenplan“ der Fische bestimmt die „Jagdzeit“. Und so begegnen wir den Anglern auch in diesem Jahr wieder: Auf dem Rügendamm über dem Strelasund, bei einer Kanutour auf dem Großen Jasmunder Bodden oder beim Segeln zwischen Hiddensee und Kap Arkona. Bewaffnet mit leichten Angelruten zwischen 2,70 und 3,00 Metern und salzwasserfesten Rollen „hauen“ sie den Fisch vorsichtig an, damit sich der Fisch gut „einhakt“. Ist dieser etwas stärker, kann man den Angler auch dabei beobachten, wie er etwas nachgibt, dann wieder stärker anzieht und auf die Ermüdung des Fisches setzt.
Bis Mai geht man vor der Insel Rügen verstärkt auf Hering, Barsch und Hornhecht, dann auf Hecht. Letzterer wird immer begehrter, denn nirgendwo werden regelmäßig so viele kapitale Exemplare gefangen wie im Rügischen Bodden. Ein Grund dafür, dass der Befischungsdruck hier weiter ansteigt. Wer sich unabhängig vom Kalender dem Angeln zuwendet, nutzt meist die ganzjährig stattfindenden, geführten  Dorsch-Angeltouren.
Gefangen oder gekauft, lässt sich der Fisch mit dem Filetiermesser im Nu von Haut und Gräten trennen. Den Variationen der nachfolgenden Zubreitung sind dabei keine Grenzen gesetzt. Ein Tipp: Einfach den Fisch in einer Pfanne anbraten und die Oberseite mit flüssiger Butter einstreichen, dann mit etwas Rosmarin bestreuen und bei 120 Grad im Backofen überbacken. Zu den für die Zubereitung „angesagten“ Kräutern zählen auch Thymian, Majoran oder Salbei. Letztere eignen sich bestens für Back- und Bratfisch. Bedenken sollte man allerdings, dass weniger mehr ist.
Worauf es beim Fisch ankommt? Nicht darauf, wie man sich einen Fisch angelt, sondern wie frisch er zum Verzehr kommt. Wer kein Angler ist, sollte sich mit seinem Fischhändler anfreunden – meint jedenfalls der Kochbuchautor Jamie Oliver. Eine prima Idee!