Samstag, 24. April 2010

Zurück ins Leben

Wenn von einem stolzen Schloß nur noch eine Ruine bleibt, dann gibt es eine Menge zu erzählen...
Reste des Turms (re.) und Blick auf die Grundmauern (l.)
Letzte Reste der Giebelfassade
Fernab der touristischen Pfade lässt sich immer noch die eine oder andere außergewöhnliche Entdeckung machen. Als Rügen-Reisende kürzlich zu einem Ausritt nach Westrügen eingeladen wurden, mussten sie gleich zweimal nachfragen. „Pansevitz? - Wo liegt das denn?“ Zugegeben, selbst Rüganer geben auf derartige Nachfragen eher vage Beschreibungen. Wer allerdings den Weg nach Pansevitz – abgehend von der Straße zwischen Bergen und Gingst - findet, wird gleich doppelt belohnt. Der zwölf Hektar große Schlosspark und die Ruine des einstigen Schlosses sind beeindruckend.   
Allerdings umschleicht den unvoreingenommenen Betrachter der Überreste des einstigen - um 1600 erbauten – Schlosses ein vorerst beklemmendes Gefühl. Unweigerlich mussten auch unsere Rügen-Reisenden an das Buch „Nirgendwo ist Poenichen“ von Christine Brückner denken. Denn gleich Maximiliane können sie nur noch mit Mühe die Größe und Stattlichkeit des einstigen Herrenhauses erahnen. Offenbar hatten auch bei Pansevitz wenige Jahrzehnte ausgereicht, um es zu zerstören. Nach dem Leerstand 1945, folgte der Verfall und schließlich die Freigabe zum Abbruch. So etwas gab es allerdings überall. Man wusste es auch von anderen Häusern im Osten. „Ost, östlich, am östlichsten. Je weiter weg, desto schlimmer.“ (Chr. Brückner)
Pansevitz liegt aber nur im Osten – auf Rügen. Und so ragt, wie durch ein Wunder, der Turm des Südflügels aus den Resten der Grundmauern empor. Er wirkt, als wenn sie ihn vergessen hätten fortzunehmen. „Gleich einem hohlen Zahn!“ fand einer der Besucher den treffenden Vergleich. Schon nahm er die ersten Stufen einer Stahltreppe um zur Spitze des Turmes zu gelangen – denn man kann ihn wieder besteigen. Der Ausblick ist beeindruckend! – und auch die Draufsicht auf die Grundmauern ist nicht ohne Reiz. Ähnliche Lösungen gab es übrigens auch in Schottland, wenn das Geld fehlte, um die Schlösser wieder zu erreichten. Allerdings beherrscht eine Frage den Ausschauhaltenden: Was diese Steine wohl erzählen können?
Alte Unterlagen wissen zu berichten, dass „Pansevitze“ seit dem 14. Jjahrhundert im Besitz der Familie von Krassow war. Ihre Hauptlinie saß auf dem Hof Pansevitz und ist bis zum 19. Jahrhundert nachweisbar. Das sie auch Mitglied der schwedischen Ritterschaft war, ist heute allerdings nur noch eine Randnotiz.
Einst umgab das Herrenhaus mit seinen drei U-förmigen Flügeln einen 27 Meter breiten Hof. Es war mit Backsteinen erreichtet worden und anschließend verputzt. Der zweigeschossigen Mitteltrakt besass eine breite Durchfahrt mit einem Rundbogen. Auf alten Ansichten lässt sich auch noch der Turm des Südflügels gut ausmachen. Früher trugen beide Türme eine Welsche Haube mit Blechdach.
An der dem Hauptgebäude gegenüberliegenden Seite des Hofes entstand um 1800 das Kavaliershaus – ein eingeschossiges Fachwerk-Traufenhaus. Die Fachungen hatte man mit Backstein ausgemauert und  anschließend verputzt.
Der Schlosspark erstreckt sich in nördlicher und östlicher Richtung des Herrenhauses. Die Anlegung desgleichen wird im 17. Jahrhundert mit dem Anpflanzen von Bäumen nördlich datiert. Im 18. Jahrhundert – in dem auch am Herrenhaus viele An- und Umbauten stattfanden – ergänzte man die Anlage durch zwei Lindenalleen. Während die eine Allee mit einer Länge von 150 Metern vermessen wurde, hatte man die andere – nach Osten verlaufende – Allee mit einer Länge von 570 Metern notiert. Die Aufnahme dieser Größen zeigt bereits die Verhältnisse des Parks auf. Zugunsten einer Auflockerung hatte man die Waldflächen in den entstanden Landschaftspark miteinbezogen. 
Nach der Wende wurde der - ehemals volkseigene - Schlosspark mit seiner verfallenen Ruine durch die staatliche Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) an die 1945 enteignete Familie zu Inn- und Knyphausen zurück verkauft. Sie übergab das Anwesen mit der Verpflichtung der Unterhaltung und nachhaltigen Entwicklung dem Verband Insula Rugia e.V. Was nach dem zweiten Weltkrieg versank und verwilderte, hat sich nun in Erfüllung dieser in den letzten Jahrzehnten glänzend entwickelt. Die einstige Schönheit der Anlage konnte im Vorfeld der EXPO 2000 mit den Mitteln der Allianz Umweltstiftung und des Landes Mecklenburg-Vorpommern rekonstruiert werden. Und auch die Deutsche Stiftung Denkmalpflege trug mit rund 17.000 Euro für die dringend notwendige Mauerwerkssanierung zum Bestand der verbliebenen Baukörper zum Erfolg dieser Anlage bei.
Unsere Rügen-Besucher reiben sich noch einmal die Augen, denn auch das ist ungewöhnlich: Seit 2006 kann man sich unter den schönen alten Bäumen – in einem öffentlichen Park! – bestatten lassen. Man erwirbt seinen Platz und garantiert so den Fortbestand und die Zukunft des Schlossparks.
Und wenn Sie sich nun fragen, warum Sie nichts vom Herzteich, vom Wundersee oder der Liebesinsel gelesen haben, dann weil man diesen Zauber selbst erleben muss. Wachgeküsst und vom Wildwuchs befreit, ist Pansevitz wieder zurück ins Leben!

Der Lageplan von Herrenhaus und Park