Freitag, 8. August 2014

Ein zukünftiger Präsident in Göhren

Postkarte mit dem ersten und letzten Präsidenten der DDR
Im August 1949 weilte Wilhelm Pieck auf Rügen

Vor 65 Jahren besuchte Wilhelm Pieck die Insel. Der ehemalige Sozialdemokrat und spätere Kommunist erlebte das Ende des zweiten Weltkriegs im Exil und wurde 1946 zum Mitbegründer und Vorsitzenden der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) – dem Zusammenschluss von KPD und SPD in der sowjetischen Besatzungszone. In dieser Funktion verbrachte er 1949 seinen Sommerurlaub in Göhren. Er besuchte verschiedene Einrichtungen auf Rügen, u.a. die Jugend-MAS „Freundschaft“, eine  Maschinen-Ausleih-Station in Sagard. Auch die privaten Momente seines Besuches wurde damals hinreichend dokumentiert. Erhalten blieb beispielsweise ein Foto, welches Wilhelm Pieck mit seiner Tochter Elli Winter im Kurpark zeigt. Es befindet sich heute im Bestand der Deutschen Fotothek (Dresden).
Nur wenige Monate nach seinem Besuch auf Rügen wurde Wilhelm Pieck, am 11. November 1949, zum ersten und einzigen Präsidenten der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) gewählt. Mit seinem Tod im Jahre 1960 erfolgte die Abschaffung des Präsidentenamtes. Ersetzt wurde es zugunsten eines Kollektivgremiums, des Staatsrates. Er wurde durch den Staatsratsvorsitzenden repräsentiert.
Wilhelm Pieck war in der DDR als integrierende Vaterfigur populär gemacht worden. Doch obgleich er noch als Arbeiterführer galt, war Wilhelm Pieck in den Anfangsjahren umstritten. Der Gubener, dessen Heimatstadt 1945 durch die Oder-Neiße-Linie geteilt wurde, wollte beispielsweise diese so nicht anerkennen. Gegenüber der „Neuen Zeitung“ sprach er sich u.a. für den Verbleib Swinemündes bei Deutschland aus. Ein Eklat mit der sowjetischen Besatzungsmacht folgte. Die Aussprache gegen die Oder-Neiße-Linie wurde der SED verboten. Der vollzogene „Meinungsumschwung“ in der Frage um einen „gerechten Frieden“ führte zu ersten Glaubwürdigkeitsverlusten von Wilhelm Pieck und seiner SED.      
Bis zum politischen Umbruch in der DDR erinnerte ein Gedenkstein an der Kurpromenade an den Besuch des deutschen Politikers. Heute befindet er sich auf dem Gelände des Museumshofes in Göhren.