Sonntag, 24. August 2014

Nanu, Sie kennen Warksow nicht?

Selten findet eine militärgeschichtliche Betrachtung Rügens statt. Doch bedingt durch eine   strategisch bedeutende Insellage kam es zu Anlandungen, See- und Landschlachten...

Truppenaufstellung bei Warksow

...Sie prägen bis heute weite Teile der Landschaft, dringen allerdings er zufällig in unser Bewusstsein ein. Warksow zum Beispiel. Bei Gustow gelegen, hatte der Flecken zunächst einen relativ unspektakulären Zeitverlauf. 1318 – man ist sich bis heute nicht sicher ob er nun „Warghesow“ oder „warghessow“ hieß – fand der Ort erstmals Erwähnung. Er - oder Teile von ihm - wechselte(n) zunächst mehrfach den Besitzer, Stralsunder Bürger und Stiftungen. 1532 werden vier Höfe dokumentiert. Dies änderte sich jedoch mit dem Schwedisch-Brandenburgischen Krieg. Nachdem der Dänische König am 17. September 1677 an der Prorer Wiek landete, stießen er und seine Soldaten zunächst auf keine Gegenwehr. Nachdem man sich nun festgesetzt hatte, schlug man – unterstützt durch brandenburgische Truppen - die herangeführten Schweden bei Bergen siegreich. So vernichtet, kam es zum Rückzug der schwedischen Truppen - zunächst nach Altefähr, dann  Stralsund. Lediglich bei der Prosnitzer Schanze hielt man noch die Stellung. Bedingt durch die schlechte Versorgungslage auf der zwischenzeitlich mehrfach ausgeplünderten Insel verblieb nur noch eine brandenburgische Besatzung von 970 Mann. Diese warteten jedoch vergeblich auf Entlastung. Am 8. Januar 1678 kam es ungeplant zur Schlacht bei Warksow. In dieser ließ sich der brandenburgische Generalmajor von Rumohr – mit der Weisung keine Kämpfe anzunehmen – in ein Kanonenduell ziehen, bei dem er selbst zu Tode kam. 
Otto Wilhelm von Königsmarck (1639-1688)
Der schwedische Generalmajor Otto Wilhelm von Königsmarck nutzte die entstandene Verwirrung und schlug nicht nur die angelandeten Truppen bei Warksow, sondern trieb sie auch bis Jasmund und Wittow zurück. Der Hof Warksow selbst, ursprünglich gelegen auf einem Hügel, war jedoch bei der Schlacht vollständig zerstört worden. Dieser Ort wurde wüst und erst gegen 1695 kam es zu einem Neuaufbau an einer etwa 600 Meter nördlichen Stelle. Zu dieser Zeit unterschied man zwischen dem südöstlichen Groß Warksow und dem wieder aufgebauten Klein Warksow. Nachdem allerdings auch Groß Warksow wüst wurde, nannte man Klein Warksow ab etwa 1885 nur noch Warksow.

Alte Ansicht des Gutshauses Warksow

Das hier befindliche Gutshaus stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Ursprünglich handelte es sich dabei um ein aus Backsteinen errichtetes und verputztes eingeschossiges Traufenhaus mit einem Dreiecksgiebel über dem dreiachsigen Frontispiz. Machte die Aufstockung im 19. Jahrhundert mit einem zweiten Geschoss zunächst auch einen herrschaftlicheren Eindruck, so ist doch die Strukturierung, auch die durch die Fenster, vollständig verloren gegangen. Den tragischen Abschluss bildet sicher das Schleifen des Dreieckgiebels, wodurch der Frontansicht auch der letzte Charme genommen wurde. Auf der Rückseite war das Krüppelwalmdach erhalten geblieben. Heute ist das Gutshaus mit seinem Hof eine der letzten Zeugnisse einer starken Veränderung Rügens im Schwedisch-Brandenburgischen Krieg, verdankt es doch dem darauf folgenden Neubau des Gutes Warksow seine Entstehung. 

Derzeitige Ansicht des alten Gutshauses Warksow