Freitag, 5. September 2014

Mit „Juchei“ zum Stralsunder Bier...

Auch Pastoren sind zuweilen für eine Überraschung gut. Das konnte der Fischer Hans nicht glauben, wurde aber durch Fiete, den alten Seebären, eines Besseren belehrt:
„Vor langer Zeit soll es in Stralsund einen Pastor gegeben haben, der sich des öfteren ein kühles und erfrischendes Bier gegönnt hat. Sein Problem: Er kam durch sein Laster auch in finanzielle Nöte...“
Nun meinte der Fischer Hans – nicht unbegründet! – das er damit gewiss nicht alleine wäre. „Sicher, aber der Pastor hatte Glück. Denn nach einer Predigt kam er mit Stralsunder Bierbrauern ins Gespräch. Da sie mit dem Pastor Mitleid und mit seinem Laster ihr Geschäft hatten, machten sie ihm ein geradezu unmoralisches Angebot...“
Fischer Hans räusperte sich. Was das wohl war? Denn wie sollten Pastor und Bierbrauer zusammen kommen? Grübelnd und aufgeregt zugleich drängte er Fiete doch endlich weiter zu erzählen... Der aber genoss die Spannung beim Fischer Hans und begann recht zögerlich mit den weiteren Ausführungen: „Nun, sie sagten zum Pastor, wenn er auf der Kanzel dreimal „Juchei“ sagen würde, dann solle er einmal im Jahr ein Fass Bier erhalten.“ Nun war der Fischer Hans aber doch erstaunt, schließlich kann ja ein Pastor nicht seine Predigt mit dreimal „Juchei“ beginnen, oder? Aber Fiete winkte ab und machte deutlich, dass der Pastor schlau genug war, um seine Worte gut zu wählen. So gab Fiete denn auch die Predigt des Pastors voller Inbrunst wieder: „Juchei, so sagt die liebe Nachtigal an dem heutigen Morgen und erfreut sich mit den Menschen der frohen Auferstehung ihres Erlösers. Juchei, sagt sie und beschämt damit all jene, die die Gnade, die uns Christus erwiesen, gering achten. Ja, Juchei, sagt sie, um die anderen Kreaturen Gottes mit zur Freude und zum Lob aufzumuntern...“ Fischer Hans war verdutzt. So hatte er sich die Lösung gar nicht vorgestellt. Voller Freude klatschte er sich auf die Schenkel. Aber was wurde nun aus der Einlösung des Angebotes? „Die Brauer spendierten, wie versprochen, einmal im Jahr dem Pastor ein Bier... So hat es jedenfalls der Stralsunder Bürgermeister später berichtet.“