Montag, 20. Juli 2015

Mit dem Kanu unterwegs

Auf der Ostsee mit dem Kanu unterwegs (Foto: Carsten Beyer)
Ein Gastbeitrag von Carsten Beyer
 
Kanu fahren kann man eigentlich immer, wenn nicht gerade eine (Eis-)Haut auf dem Wasser ist. Es ist eine der schönsten Wassersportarten. Doch was heißt hier eigentlich Kanu? Kanus, wie sie die Indianer hatten, sind im Sportbereich eher selten. Sie eignen sich als offene Boote vor allem für
Flüsse und Binnengewässer. Heute nennen wir sie „Kanadier“. Bei unseren rauen Gewässern, wo wir auch mal eine Welle ausstehen müssen, können wir uns oft nicht leisten, dass auch noch das Wasser ins Boot schwappt. Deshalb fahren wir ausschließlich Kajaks. Diese Bootsform, wie sie die Eskimos benutzen, ist mit einer Spritzwasserschürze, die wir fest um den Bauch gebunden haben, geschützt. So können wir also „unter Deck“ in aller Regel trocken bleiben. Merke: Kajak geschlossen, Kanadier offen. Nach dem Ende meines Studiums legte ich mir 1982 mein erstes Kajak zur Freizeitgestaltung zu. Damals hieß das Ding „Faltboot“. Es trug die Bezeichnung „RZ 85“ und war von der Firma Pouch. 5,50 m lang und 85 cm breit. Das Ganze war, wie der Name schon andeutet, praktisch zusammenfaltbar. Damals entschied ich mich bewusst für die Komplettausrüstung mit Doppelpaddel, Steuerung, Spritzdecke, Seitenschwertern und Besegelung. Fock und Großsegel sollten es ermöglichen, sich auch mal treiben zu lassen. Nicht zu vergessen: der Bootswagen, der auch An- und Überfahrten möglich machte. - Alles original Pouch!   

"Alles original Pouch!" (Foto: Pouch)
Rund Rügen vor 25 Jahren
1990 hatten sich dazu neue Freiräume aufgetan, die es auch sportlich auszuloten galt. Und so beschloss ich mit meinem damals elfjährigen Sohn Stefan erstmals einen Törn rund Rügen zu unternehmen. Mein Ziel:  Stefan ein bisschen an die Heimat heranführen und viele schöne Ecken sehen, die uns bis dahin von Land aus weitgehend unbekannt waren. Mit dabei: ein kleines Zelt, Schlafsäcke und Proviant.  Unser Törn sollte am Ende eine Woche dauern, aber wir hatten Zeit! Drigge, damals als Heimathafen meines Faltbootes, wurde zum Ausgangspunkt. Zunächst ging es an Altefähr westlich vorbei, dann Richtung Ummanz, danach zum Gellen und im Schutz der Küste auf dem Schaproder Boddens über Vitte bis zum Enddorn. Den Bessin „überwanden“ wir allerdings mit dem mitgeführten Bootswagen. Laut Wasserwanderatlas überquerten wir dabei auch die „Grenze der inneren Seegewässer der DDR“.
Ein guter Begleiter: Die gute alte Rügen-Karte...
 Weiter ging es gen Osten. Den Wind von Hinten und auf die Landenge vor Dranske, den Bug, zu. Segelwetter. Noch war das Wasser eben, aber schon bald wurden die Wellen größer, der Grund nicht mehr sichtbar. Eine schwierige und zugleich beeindruckende Passage. Doch wir erreichten mit nassem Po aber heil das andere Ufer. Arkona außen umfahren? Nein, dann lieber das Boot umsetzen und über den Wiecker in Richtung Breeger Bodden. Von hier ging aus auf dem Landweg mit dem Bootswagen nach Juliusruh, dann bei leichtem Wind Segeln bis Glowe. Nun schlief er fast ein. Wir umrundeten Jasmund bis zum Königstuhl. Der ragte majestätisch vor uns, aber das man ihn vom Wasser aus besichtigen konnte? Vor Monaten noch undenkbar... Es ging weiter. Die Tromper Wiek! Die „Kreuzsee“ vor dem gigantischen Bauwerk, wo die NVA auf der schmalen Heide stationiert war, zeigte sich noch mal als kritisch. Am Ende: Alles gut! Angekommen am Binzer Strand hatten wir – als Begrüßung - vor dem  Kurhaus Binz den Segelmast aufgerichtet und „über die Toppen geflaggt“ mit unseren nassen Sachen. Dann sollte der „Rasende Roland“ uns mit dem Faltboot auf dem Landweg nach Göhren bringen. Doch der Packwagen war nur 6 Meter lang, eine Beladung nur von einer Mitteltür möglich. Also: Alles „zusammenfalten“! Von Göhren ging es jetzt in Richtung Baaber Bollwerk.  Dann haben wir in der Having endlich wieder eine Handbreit Wasser unterm Kiel. Es geht – vorbei an der Schiffs- entmagnetisierungsstation der Marine und der „Regierungsinsel“ Vilm – nach Lauterbach. Hier sorgten wir in der Nacht noch für etwas Aufregung bei Anglern. - Sie hatten ihre Schnüre ausgeworfen.  Entlag der Südküste bis Zudar, dann - bei Westwind – kamen wir in Lee bis zum Palmer Ort... 

Der Stralsunder Kanuclub 
Obgleich die Stralsunder Kanuten auf Drigge ein Sommerlager betrieben und eine ehemalige Lehrerin zu den Mitbegründern des Stralsunder Kanu- clubs zählte, fand ich erst sehr viel später zum organisierten Wassersport. Das war im Jahre 2000 durch das Drachenbootfahren. Damals gab es dort eine sehr erfolgreiche Mannschaft junger Frauen, die bei der BFA angefangen hatten und sich in den Wassersport knieten. Übrigens stellten sie als Sieger in Vorpommern später auch einen Teil der deutschen Nationalmannschaft und konnten auch internationale Erfolge feiern. Durch die Entwicklung dieser Sportart am Strelasund angespornt, versuchte auch ich eine Zeit lang hier mitzufahren. Rückblickend muss ich jedoch sagen: Es ist ein sehr harter Sport. Also setzte ich mich schon bald wieder auf mein Kajak. 
Immer noch aktiv auf den pommerschen Flüssen und auf der Ostsee (Foto: Carsten Beyer)
Kajak fahren heute        
Die gute Nachricht für alle Neueinsteiger zuerst: Die Kajaks sind pflegeleichter geworden. Es gibt die GFK-Boote, die leicht und bequem zu fahren sind oder die sehr robusten PE-Boote. Mit Letzteren kann man auch auf den Strand fahren. Sie liegen stabil im Wasser. Wer sich in einem Club engagiert, kann dort sehr schöne gemeinsame Erlebnisse haben. Bei uns gibt es die traditionellen Ausflüge zu Ostern und Pfingsten. Daneben auch die jährlich stattfindende Stralsunder Kanuwoche, wo Gästen die schönsten Stellen unserer Heimat – die pommersche Küste - nahe gebracht werden. Und: Auch wenn ich wieder etwas kürzer trete, der Karfreitag zählt bis heute zu meinen festen Terminen. Denn zur Saisoneröffnung geht es mit Sportfreunden auf die Barthe. Es ist ein kleines niedliches Bächlein, welches aber im  Frühjahr ein ganz nettes Wasser führt und auch ganz hübsche Neander hat. Keine Fahrt ist wie die andere. Und dann ist da noch der Serow-Bach, der kurz hinter Samtens quer durch die Wiesen kommt, um in den Kubitzer Bodden zu münden. Auch er wäre in diesem Jahr einen Ausflug wert...
http://www.inselreport.de/p/rugen-outdoor.html