Freitag, 10. Juli 2015

Vom Haupt- zum Nebenort

Über die Bedeutung von Straßen und Wegen für die Entwicklung von Orten.   

Alte Alleen als ursprüngliche Lebensadern der Insel
Rügen. (SAS) Orte ändern sich mit der Bedeutung der sie prägenden Infrastruktur. Eines der klassischen Beispiele dafür ist auf Rügen vielleicht der Ort Rotenkirchen. Er befindet sich zwischen Rambin und Samtens. Bedingt durch seine ursprüngliche Lage an der „Gemeinen Landstraße“ Altefähr-Gingst-Trent-Arkona, einem alten Handelsweg, soll es sich hier einst um einen schnell wachsenden Ort gehandelt haben, der eine gewisse Bedeutung erlangte. Wer allerdings heute Rotenkirchen besuchen möchte, wird sich die Augen reiben, denn - entsprechend der nun nördlich von der Hauptverkehrsstraße befindlichen Lage – ist der eingetretene Bedeutungsverlust unverkennbar.     

Kloster in Bergen - im Mittelpunkt des Hauptortes Bergen
Folgen wir dieser Hauptverkehrsstraße von Stralsund auf die Insel, so erreichen wir schon bald die ehemalige Kreisstadt Bergen. Mit der Gründung des Klosters galt sie als Hauptort der Insel. Die Lage war von jeher an der Landstraße, die von der Hansestadt Stralsund über Jasmund nach Wittow führte. Jedoch wurde Bergen erst mit dem Ausbau der Kreisstraßen (1848-1884) und dem Bau der Bahnlinien (1883) zum Verkehrsmittelpunkt. Da die Stadtentwicklung sich den Gegebenheiten unterwarf, haben sich die vier Zugangsstraßen seit frühgeschichtlicher Zeit kaum verändert. So ist es nur folgerichtig, dass die über Trent kommende Straße von Wittow auf die Straße von Stralsund - über Rotenkirchen – trifft. Von Südosten her kommt die alte „Jasmunder Straße“ – von Prora und der Schmalen Heide. Und von Norden entwickelte sich der einstige Weg von Lietzow durch die Aufschüttung des Lietzower Dammes zu einer wichtigen Verkehrsstraße, die von Sassnitz aus Bergen erschließt.

Malte zu Putbus - Ortsgründer und Visionär
Abschließend sei noch ein kurzer Blick auf das südliche Putbus erlaubt. Auch hier entwickelte sich ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Mit der Ortsgründung 1810 und der Völschowschen Brauerei, die an der Straße Garz-Vilmnitz errichtet wurde, begann eine weitreichende Entwicklung. Von Putbus aus wurden die Besitzungen des Fürsten erschlossen. Viele der damals angelegten Kopfsteinplaster-Straßen lassen sich noch heute ausfindig machen, wurden aber durch die neuen Verkehrswege – u.a. von Bergen aus – weitgehend zerstört, unterbrochen oder aber durch Leitplanken dauerhaft abgeschottet. Als wichtige Zeugen dieser Entwicklungsphase zählen übrigens auch heute noch die historischen Wegweiser.
Es bleibt in diesem Zusammenhang spekulativ, wie sich die Insel verändert hätte, wenn man die Eisenbahnstrecke – wie ursprünglich geplant – von Stralsund über Putbus nach Arkona geführt hätte. Allerdings kann man sich auch angesichts dieser drei Beispiele historischer Entwicklungen auf Rügen ausmalen, wie die neue Bundestrasse 96 n die Insel verändern wird.

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