Dienstag, 14. Juli 2015

Vor 70 Jahren: Bodenreform auf Rügen

Propagandistisches Plakat zur Bodenreform
Rügen. (SAS) Anfang September 1945 wurden durch die Landes- und Provinzialverwaltungen im Gebiet der damaligen sowjetischen Besatzungszone die Bodenreformverordnungen erlassen. Danach sollte Großgrundbesitz über 100 ha und unabhängig von der Größe der Grundbesitzes des Deutschen Reich, von Kriegsverbrechern und Faschisten entschädigungslos enteignet werden. So wurden 3,3 Millionen ha enteigneten Landes in einen Bodenfond überführt. 
Aufteilung des Gutes Güstelitz bei Putbus
In Mecklenburg-Vorpommern erfolgte der Aufruf zur Durchführung der Bodenreform am 3. September 1945. 2 Tage später wurden 62 Gemeindekommissionen mit der Aufteilung des Grundbesitzes auf Rügen betraut. In nur wenigen Wochen wurde die Fläche von 169 ehemaligen Gütern - etwa 62.000 ha – zu 5.000 Bauernhöfen aufgesiedelt, 18.000 ha stammten dabei aus dem Besitz des Fürsten zu Putbus.
Die zunächst breite Streuung hatte vorerst das Ziel der Akzeptanz unter den Einheimischen und den vielen Flüchtlingen, die nach dem Krieg die Insel Rügen bevölkerten. Jedoch war dies nur ein erster Schritt zur Umwälzung der Besitzverhältnisse. Denn direkt danach folgte 1948 die Verfolgung der Großbauern – mit Grundbesitz von 20-99 ha – und ab 1952 die Kollektivierung (bis 1960) und schließlich Industrialisierung (70er Jahre) der Landwirtschaft. Am Ende stand die Auslöschung eines ganzen Berufsstandes – des freien Bauern.
Mit dem Ende der DDR verfügte nun die öffentliche Hand, Treuhand, BVVG – in der Rechtsnachfolge – zwischen 35 und 60 % der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche. Sowohl Alteigentümer, als auch Bodenreformbegünstigte hatten auf diese Flächen keine Ansprüche.
Die vor 70 Jahren geschaffenen Umverteilungen wirken bis zum heutigen Tag in der Entwicklung der Insel Rügen nach. Vielen Fehlentwicklungen wurde dadurch Vorschub geleistet. Sichtlich wird dies u.a. an den  verfallenen Gutshäusern und –anlagen, sowie den zersiedelten Ortslagen.

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