Donnerstag, 15. Oktober 2015

„Brüder, reicht Euch die Hände“

Seit über hundert Jahren werden auf den Inseln Rügen und Hiddensee, sowie in der Hansestadt Stralsund Filme gedreht. Dieses mal möchten wir an einen  verschollenen Film erinnern...


Rügen. (SAS) Es ist der 17. Juni 1964. Ein „Wolga“ rollt von Berlin in Richtung Stralsund. Oberst Zyganow ist voller Freude. „Warum sind sie so aufgeregt?“ fragt sein Fahrer. – „Ich werde heute auf der Insel Rügen meinem Lebensretter gegenüber stehen und ihn an mein Herz drücken.“ Sein Blick fällt dabei durch die Scheiben des „Wolgas“. Draußen zeichnen sich bereits die Umrisse der Stadt Stralsund ab. Sein Fahrer greift nach einer blauen Zigarettenschachtel, die neben ihm auf dem Fahrersitz liegt. Und der Oberst? Er mustert die Stadt. Wenige Augenblicke später hält der Wagen am Rügendamm. Am Ziegelgraben steht ein 40jähriger Mann. Es ist der Studienrat Hans-Jürgen Meyer aus der Oberschule Richtenberg. Auch er ist noch in Gedanken...
19 Jahre nach Kriegsende entstand der Dokumentarfilm „Brüder, reicht Euch die Hände“. Er erzählte vom Wiedersehen zweier Kriegsteilnehmer auf der Insel Rügen. Bedingt durch die propagandistische Bedeutung des Treffens für die deutsch-sowjetischen Freundschaft kommt dem von Manfred Freybier gedrehten und Wolfgang Wappler kommentierten Filmstreifen eine besondere Bedeutung zu: Dokumentiert ist u.a. der Besuch der beiden Männer in der Schule Rambin, die Fahrt von Oberst Zyganow nach Sassnitz und Stubbenkammer, sowie ein Treffen mit den Einwohnern von Rambin am Abend. Der Film wurde für Totalvision in schwarz-weiß gedreht und im DEFA-Kopierfilm vervielfältigt. Für Februar 1965 war eine Ausstrahlung im Deutschen Fernsehfunk vorgesehen, um ein Millionen-Publikum zu erreichen. Der Film gilt bis heute als verschollen. Von dem für Rügen wichtigen Zeitdokument, dass auch Bezug auf die geschilderten Ereignisse im Buch „Blinkzeichen am Rügendamm“ nimmt, fehlt bisher jede Spur.

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