Montag, 12. Oktober 2015

Vor 300 Jahren: Landung bei Groß Stresow

Im Kampf um die Vorherrschaft im Ostseeraum spielte Schweden eine beherrschende Rolle. Die Ursachen für den Großen Nordischen Krieg von 1700 bis 1721 waren vielfältig und von Interessenskonflikten geprägt. Ausgetragen wurden sie zwischen dem schon erwähnten Schweden sowie Dänemark, Polen-Litauen, Russland und Brandenburg-Preußen. Zu den wichtigsten Zeugnissen dieser Auseinandersetzung, die auch an die Machtfrage an der pommerschen Küste erinnern, zählt auf der Insel Rügen die Preußensäule bei Groß Stresow.

Rügen. (SAS) Vor nun mehr 300 Jahren – am 15. November 1715 - landete Fürst Leopold von Anhalt-Dessau, genannt der „Alte Dessauer“, mit einer Streitmacht von fast 20.000 Soldaten in der Bucht von Stresow. Noch heute berichten verschiedene Überlieferungen von diesem Ereignis und von einem Verrat eines Fischers, der seine Kate, die „Verräterkate“, mit einem weißen Tuch bespannte, um den feindlichen Truppen den Weg bei der Anlandung zu weisen. Der sagenhaften Ausschmückung zum Trotz soll hier jedoch kurz an die Fakten erinnert werden: Nach der geglückten Landung der vereinten Streitmacht von Dänen, Preußen und Sachsen wurde der Ort kurzerhand mit aufgeworfenen Verschanzungen und spanischen Reitern gesichert. Die vorherrschende Wachsamkeit war nicht unbegründet, denn bereits am darauffolgenden Morgen traf eine schwedische Armee unter dem König Karl XII. an der Stresower Bucht ein. Allerdings musste der sofort eingeleitete Ansturm der schwedischen Reiterei angesichts der Verschanzungen abgebrochen werden. Auch ein zweiter Angriff durch die Infanterie blieb erfolglos. Mehr noch: Dem schwedischen König wurde das Pferd unter dem Leib weggeschossen und er selbst an der Schulter verletzt. Als auch diese Angriffswelle in der Verteidigungslinie der Dänen stecken blieb, erfolgte nach etwa einer Stunde der Rückzug unter schweren Verlusten nach Stralsund. Die Folgen waren weitreichend: Die Insel Rügen wurde ohne viel Gegenwehr besetzt und Ende November sogar die Festung Stralsund auf zwei Seiten von Preußen, Dänen und Sachsen belagert.

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