Freitag, 25. Dezember 2015

Die Christrose

Rügen. (SAS) In der Zeit, als der Bischof von Bamberg die Widerspenstigen am Meer zum Christentum bekehrte, fielen auch immer wieder Bewohner vom christlichen Glauben ab. Stattdessen huldigten viele pommersche Landsleute dem alten heidnischen Glauben an „Swantewit“. Getaufte Christen aber mussten für ihre Glaubenstreue sogar mit ihrem Leben bezahlen.
Damals, so berichtet uns eine Überlieferung, wohnte ein alter Mann in einer der pommerschen Siedlungen, der heimlich dem christlichen Glauben anhing. Nachdem er jedoch verraten wurde und dies öffentlich wurde, ließen ihn die heidnischen Priester gefangen nehmen und warfen ihn am Heiligen Abend in den Kerker.
Hohnlachend rief der Priester ihm zu, wenn über Nacht in eisiger Kälte Blumen auf dem Richtplatz blühen würden, dann wiederfahre ihm Gnade, er brauche nicht sterben und die ganze Stadt wäre bereit, den neuen christlichen Glauben anzunehmen.
Dem alten Mann, der an seinem Leben hing, blieb in seiner Verzweifelung nur das Beten. Am kommenden Morgen führte man ihn bei Sonnenaufgang unter den Blicken des Volkes zum Richtplatz. Doch als die Sonne noch etwas höher stieg und die Strahlen auf den Boden fielen, gingen unter der Eiche, an welcher der Verurteilte für seinen Glauben gehängt werden sollte, viele blühende rote Christrosen auf. 
Die Legende besagt, dass ein seltener Vogel, der um die Weihnachtszeit nistende und brütende Kreuzschnabel, den Samen der Christrose aus dem Süden an die pommersche Küste gebracht habe. Diese Saat war mit dem wärmenden Sonnenlicht aufgegangen. Und nun, wo das Volk die blühenden Rosen an der Richtstätte sah, schworen sie dem Götzen-Prediger ab und verjagten ihn. Für sie war ein Wunder geschehen. Und so nahmen sie aus Überzeugung den christlichen Glauben an. Der alte Mann kam wieder frei und hatte noch einige erfüllte Jahre vor sich.
Seit jener Zeit, vor fast 900 Jahren, blühen an der pommerschen Küste die Christrosen, die auch als „Weihnachtsrosen“ bekannt sind, mitten im Winter. Und dort, wo sie nicht blühen? Da werden mit Seidenpapier die Weingläsern zu Christrosen umdekoriert. Mit einem Teelicht im Kelch schaffen sie in den Stuben eine festliche Atmosphäre und erinnern an jene Zeit als das Christentum ins „Land am Meer“ kam - als es gefährlich war, für seinen Glauben einzutreten.

Unser Buch-Tipp:
„Pommersche Weihnacht“ von Wolfgang Schneider & Torsten Seegert mit der Weihnachtsfilm-DVD „Rummelsburger Quempas“ Heimat-Bild-Verlag (ISBN: 978-3-942926-17-1) 

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