Freitag, 1. Januar 2016

Die große Sturmflut 1904/1905

Alte Postkarte mit einem gestrandeten Segler bei Arkona

Naturkatastrophen sind bei uns eher selten. Wenn sie jedoch passieren, bleiben sie noch lange in unserem Bewusstsein. So zum Beispiel die Sturmflut am 13. November 1872. Fast ebenso gewaltig war jedoch die Sturmflut zum Jahreswechsel 1904/1905.

Rügen. (SAS) Der Wind der am 29. Dezember noch aus Westen wehte,  wechselte am darauffolgenden Tag plötzlich auf Nordost und hatte die Stärke 10. Zudem setzte ein mächtiges Schneetreiben ein. Nun machten Nachrichten aus allen Inselteilen – trotz Abbruch der Telefon- und Telegrafen-Verbindungen die Runde. Gewissheit, was wirklich geschehen war, erhielt man aber erst Tage später:
Während es in Sassnitz zu Steiluferabbrüchen kam, versank im Hafen ein Schiff und die Strandkollonaden wurden vollständig weggespült. In Glowe wurden sogar 10 Fischerboote zertrümmert. Badehaus und Brücke waren vollständig zerstört. Auch in Lohme wütete die Flut. Das nach 1872 errichtete Warmbad wurde ein Opfer der Naturkatastrophe. Ein verheerendes Bild ergab sich um Mönchgut. So wurden in Binz zahlreiche Villen abgedeckt, das Herrenbad und die neuen Landungsbrücken waren von Zerstörungen betroffen. Noch beängstigender zeichnete sich die Lage in Baabe ab, wo das Wasser meterhoch an die Wände eines Hauses schlug. Die Bewohner mussten auf den Dachboden flüchten und konnten nur noch mit einem Boot geborgen werden. Weiter südlich war die Steinmole ums Höft ein Opfer der gewaltigen Naturkräfte geworden. Hier musste auch eine Thiessower Familie mit einem Boot aus dem meeresumschlungenen Haus gerettet werden. Beunruhigend der Blick zu den Siedlungen am Greifswalder Bodden. So schlugen in Neuendorf am Neujahrsmorgen 1905 die Wellen durch die Fachwerkwände eines Hauses. In Lauterbach wurde das Brückenbauwerk zerstört. In Groß Schoritz stand das Wasser in den Scheunen des Ritterguts sogar über zwei Meter hoch. Zwar konnte das Vieh gerettet werden, aber das Getreide war vollständig vernichtet worden.
Hatte die Ost- und südliche Boddenküste Rügens schon in erheblichen Maße gelitten, so gab es an der Westküste ebenfalls schwere Schäden. Der Deich am Südufer des Kubitzer Boddens brach am Neujahrsmorgen. Überschwemmt wurden alle Gehöfte, die sich im näheren Einzug befanden. Auch auf  Ummanz gab es für die Deiche kein Halten. Die Ortschaften Heide, Markow und Wolkenitz wurden vollständig unter Wasser gesetzt, gleiches in Ummanz-Dorf. Schwere Schäden an den Booten im Wieker Hafen, wo es u.a. den Dampfer „Caprivi“ getroffen hatte. Zwischen Wiek und Buhrkow war „Land unter“. Auf Hiddensee waren vor allem Neuendorf und Plogshagen schwer getroffen worden.
Die schweren Zerstörungen mahnen uns bis heute zum Respekt vor den gewaltigen Kräften der Natur. Zwar liegen die Ereignisse über hundert Jahre zurück, aber: Sie können immer wieder passieren!      

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